Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Lukrezia Jochimsen
© Die Linke
Jahrgang
1936
Berufliche Qualifikation
Studium der Soziologie, Philosophie und Geschichtswissenschaft, Promotion, freie Publizistin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Landesliste
Landeslistenplatz
3, Thüringen
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(...) Grundsätzlich bekennen wir uns zu einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in dem die Kreativen mehr und die Verwaltungen weniger zu sagen haben. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
22.05.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Jochimsen,

auch in Thüringen (jedenfalls in Jena und Erfurt) ist die international agierende "Gesellschaft für Wissenschaftliche Gerichts- und Rechtspsychologie" (mit Zentrale in München) bei Gerichten aktiv.

Diese Organisation wird seit vergangenem Sommer von Bürgern zunehmend öffentlich kritisiert: z.B. www.moehnle.eu
Der Anführer der zumal in Deutschland einflußreichen Profit- Psycho- NGO hat u.a. folgenden Satz niedergeschrieben:
"Neue Wege, die nicht unbedingt den Vorgaben der ZPO entsprechen oder die den bisherigen Erfahrungen oder Gewohnheiten widersprechen, können nur im Miteinander beschritten werden."
(Die psychologische Sachverständigentätigkeit im Familienrecht unter ökonomischen Gesichtspunkten\" in \"Familie, Partnerschaft und Recht\" FPR 10/2003 (S. 559)).
Hierzu hätte ich auch von Ihnen gern gewußt, ob dieser Satz eines öffentlich bestellten Rechtspsychologen nach Ihrem ganz persönlichen Rechtsempfinden mit dem Grund- Gesetz eines Rechtsstaates vereinbar ist oder nicht. Ich möchte noch anmerken, daß Betroffene in Sorgerechtsverfahren tatsächlich immer wieder die Nichtbeachtung z.B. der §§ 160, 402 ff und 624(4) ZPO beschreiben.

Mich interessiert auch, ob Kritik an der GWG, deren Arbeitsweise u.a. von den namhaften Psychologie- Professoren Klenner und Jopt schon 2001 in einer ARD- Sendung (1) angegriffen worden war und gegen die sich derzeit etwa 22 Petitionen beim bayerischen Landtag richten, auch schon an Sie herangetragen wurde.

Ich habe im Februar eine ähnliche Anfrage an Ihre MdB- Kollegin und Bundesjustizministerin a.D. Leutheusser- Schnarrenberger aus Starnberg gerichtet und bislang keine Antwort erhalten (2) .
Können Sie sich darauf einen Reim machen?

Mit freundlichen Grüßen
W.
Gruppe Justizkontrolle/Scientologyabwehr D

(1) de.video.yahoo.com

(2) www.abgeordnetenwatch.de
Antwort von Dr. Lukrezia Jochimsen
1Empfehlung
23.06.2009
Dr. Lukrezia Jochimsen
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.
Eine Bemerkung vorweg: Ich bin keine Juristin.
Ich weiß aber, dass in Sorgerechtsverfahren immer wieder die Nichtbeachtung bestimmter Paragraphen der ZPO beklagt wird. Im Übrigen hat die politische Arbeit deutlich gemacht, dass es keine sinnvolle und homogene Regelung über Sachverständige, Gutachter, ihre Bestellung, Haftung und Kontrolle gibt, was offenkundig zum Missbrauch einlädt. Einen Satz wie ´Neue Wege, die nicht unbedingt den Vorgaben der ZPO entsprechen oder die den bisherigen Erfahrungen und Gewohnheiten widersprechen, können nur im Miteinander beschritten werden.´, halte ich für hochproblematisch, insbesondere wenn er von einem öffentlich bestellten Rechtspsychologen stammen sollte. Immer wieder stoße ich auf die Forderung nach ÖFFENTLICH bestellten Sachverständigen und nach einzelgesetzlichen Regelungen, wer zu welchem Gebiet Sachverständige und Gutachter bestellen und kontrollieren darf. Diese Forderungen erscheinen mir sehr sinnvoll - aber wie gesagt, ich bin keine Juristin.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Lukrezia Jochimsen, MdB
kulturpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
11.10.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Jochimsen,

Ihre Antwort vom 23.6.09 bestärkt mich in der Auffassung, daß man allgemein Menschliches wohl nicht Juristen allein überlassen sollte.

So weicht die Justizministerin a.D. Leutheusser- Schnarrenberger weiterhin einer Antwort auf die von Ihnen schon beantwortete Frage - eine Art Gretchenfrage vielleicht - aus (1).

Wie verstehen Sie das ?

Ich stieß nun auf ein Dokument des wie auch immer legitimierten Thüringer Landesjugendhilfeausschusses (2).

Dort wird z.B. auf Seite 2 ("1.1.") verlangt, daß regelmäßig unter anderem ganze Parteischreiben und psychol. Sachverständigengutachten (die besonders viele sensible Daten/ Privatgeheimnisse, auch diesbezügliche Irrtümer bzw. Fehldiagnosen enthalten!) vom Familienrichter in Kopie an das Jugendamt versandt werden.
Eine Rechtsgrundlage wird nicht genannt.
Es gibt auch keine.
Vielmehr würden Mißachtungen einer ZPO- Vorschrift (§ 624(4), vgl. die erw. GWG- Propaganda) bzw. strafbare Verletzungen von Privatgeheimnissen bzw. Datengeh. zu besorgen sein, wie der bekannte Datenschutz- und Sozialrechtsexperte Prof. Kunkel mitteilte (3).

Dies scheint aber niemanden zu interessieren.

Die Thüringer Sozialministerin hält die Zustände in Ihrem Land sogar für völlig unbedenklich, wie sie am 24.8.09 hier mitteilte (4).

Wäre es Ihnen möglich, diesen Dingen mit Hilfe eines vertrauenswürdigen Juristen einmal ganz auf den Grund - des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung und der Gewaltenteilung - zu gehen?

Mit frdl. Grüßen
W.
Gruppe Justizkontrolle Bayern/ Scientologyabwehr Deutschland

(1) www.abgeordnetenwatch.de

(2) www.ljrt-online.de

(3) maennerpartei.eu

(4) www.abgeordnetenwatch.de

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Frage zum Thema Bildung und Forschung
20.10.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Jochimsen,

können sie mir Auskunft darüber geben inwieweit sie/ihre Partei sich für den Bildungsstandort Gera einsetzen bzw. einsetzen möchten? Während Jena aus allen Nähten platzt und ständig neue Rekorde bei den StudentInnenzahlen meldet, dümpelt die bis vor kurzem noch zweitgrößte Stadt Thüringens bei dem Thema höherer Bildung vor sich hin. Auch wenn die BA (leider direkt neben der Autobahn platziert, damit sich kein Student in die Innenstadt verirrt) bzw. SRH ein kleiner Anfang sind, ist das Angebot/Anzahl der StudentInnen ein schlechter Witz für die Größe der Stadt.

Während in jedem anderem Bundesland selbst in kleineren Städten mindestens eine FH angesiedelt ist, lässt man die 100.000 Einwohner-Stadt Gera in diesem Bereich verhungern und zum Paradies für Rentner umfunktionieren.

In dieser strukturschwachen Region ist Bildung die einzige Chance, nicht endgültig den Anschluss zu verpassen. Sei es in wirtschaftlicher als auch kultureller Hinsicht.

MfG
Antwort von Dr. Lukrezia Jochimsen
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26.08.2010
Dr. Lukrezia Jochimsen
Sehr geehrter Herr ,

es gab in der Vergangenheit mehrfach Vorstöße für eine Bildungseinrichtung (auch eine Fachhochschule) in Gera. Die damalige PDS hatte sich durchaus dafür ausgesprochen. Allerdings hätten dafür eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Die erste Problematik bestand/besteht darin, ein Profil für eine solche Bildungseinrichtung zu entwerfen. Eine Fachhochschule hat langfristig nur eine Überlebenschance, wenn sie nicht die Kopie anderer Standorte ist. Das heißt im Grunde, wer eine Fachhochschule in Gera gründen will, muss ein Ausbildungs-/Studienprofil bieten, das Studierwillige anzieht. Es müssen also zukunftsträchtige Berufsangebote sein. Momentan zeichnet sich dafür jedoch kein derartiges Profil ab. Zudem sind bei solchen Standortentscheidungen prinzipiell auch die anderen in der weiteren Umgebung befindlichen Hochschulstandorte und deren Profile zu beachten. Damit sind nicht nur die Nachbarstadt Jena gemeint, sondern auch die Hochschulstandorte Halle, Leipzig, Zwickau.

Zudem besteht in Gera eine Außenstelle der Berufsakademie, die Sie in Ihrem Schreiben erwähnen. Die Gründung der Berufsakademie wurde zunächst von den Hochschulexperten - auch aus unserer Partei - mit gewissen Zweifeln betrachtet. Im Nachhinein muss man jedoch konstatieren, dass die Berufsakademie Erfolg hat. Ihre praxisnahe Ausbildung hat dazu geführt, dass viele gut ausgebildete Absolventen schnell einen Job in der einheimischen Wirtschaft fanden. Manche wurden auch von ihren Betrieben zum Studium "delegiert".

Mit der Berufsakademie grenzt sich Gera sehr wohl vom Standort Jena ab, was für ein eigenständiges Profil spricht. In den Thüringer Firmen zeichnet sich schon jetzt auf Grund der demographischen Entwicklungen ein Fachkräftedefizit ab. Das bedeutet, es müssen mehr Menschen für die wirtschaftliche Zukunft des Landes ausgebildet werden. Erfreulich ist, dass die Nachfrage nach einem Studium an der Berufsakademie deutlich steigend ist. Es ist daher sinnvoller, hier die Kapazitäten zu erweitern und sinnvolle Ergänzungen zuzulassen. Eine solche Profilierung wäre auch für die Stadt Gera ein Gewinn.

Die Idee, eine zusätzliche Fachhochschule in Gera zu gründen, hält meine Partei darum nicht für umsetzbar und es würde vermutlich momentan auch an den fehlenden Finanzen scheitern. Wir unterstützen daher deutlich einen Ausbau der Standorte der Berufsakademie in Gera.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Lukrezia Jochimsen
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