Sehr geehrter Herr

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mit Mail vom 8. Dezember 2010 haben Sie auf die Situation an der Grundschule Ihres Sohnes hingewiesen und im Wesentlichen drei Fragen zur Personal- und Unterrichtsversorgung vorgebracht. Hierzu kann ich Ihnen Folgendes mitteilen:
1. Unterrichtsvertretungen
Die Sicherstellung des Unterrichts ist ein wichtiges Anliegen des Staatsministeriums und es werden erhebliche Anstrengungen in diesem Bereich unternommen. Im Schuljahr 2010/2011 hat sich die Vertretungssituation an Volksschulen bayernweit weiter verbessert: Die Zahl der Mobilen Reserven wurde trotz weiter sinkender Schüler- und Klassenzahlen zu Schuljahresbeginn in gleichem Umfang wie bisher bereitgestellt (1900 Vollzeitplanstellen). Da Vertretungslehrkräfte vor allem ab Monat November in erhöhtem Umfang benötigt werden, wird die Zahl der Mobilen Reserve ab diesem Zeitpunkt dreimal im Umfang von insgesamt 280 Vollzeitäquivalenten aufgestockt. Die Aufstockungen erfolgen jeweils bedarfsorientiert auf der Grundlage regelmäßiger Stichtagserhebungen, d.h. aktuelle Entwicklungen der Vertretungssituation werden bei der jeweiligen Zuweisung der zusätzlichen Stellenkontingente an die Regierungen berücksichtigt.
Trotz dieser umfangreichen Bereitstellung von Lehrkräften für Vertretungsfälle lässt sich nicht restlos ausschließen, dass es z.B. in Zeiten erhöhter Krankheitsanfälligkeit an einigen Schulen zu unvorhersehbaren Engpässen kommt. Hier sind flexible Lösungen erforderlich. Hierzu zählen schulhausinterne Maßnahmen wie z.B. Klassenzusammenlegungen oder Parallelführungen, sowie die gegenseitige Unterstützung benachbarter Schulämter.
Unterrichtsausfall stellt dabei nur die letzte denkbare Maßnahme dar und ist gerade im Bereich der Volksschulen vergleichsweise gering, was eine repräsentative Untersuchung an ausgewählten Schulen Bayerns ergeben hat.
2. Klassenstärken und Verbesserungen im Unterrichtsangebot
Die durchschnittliche Klassenstärke konnte besonders an Grund- und Hauptschulen weiter gesenkt werden. So haben derzeit bereits rund 85% aller Grundschulklassen eine Klassengröße von 25 oder weniger Schülern. Die Förderung der Kinder mit Migrationshintergrund – etwa in der deutschen Sprache - wurde weiter ausgebaut, um ihre Chancen zu verbessern. So hat Bayern die Höchstgrenze von Schülern in Klassen von Grund- und Hauptschulen auf 25 begrenzt, wenn der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund bei über 50 Prozent liegt. Zur Umsetzung dieser Regelung stehen 411 zusätzliche Stellen für den Volksschulbereich zur Verfügung.
In Bayern konnten in den vergangenen Jahren weitreichende Verbesserungen in Schule und Unterricht erreicht werden, und zwar mit Blick auf die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler. So wurde in den vergangenen Jahren die individuelle Förderung konsequent ausgebaut. Hierfür wurden im Doppelhaushalt 2009/2010 rund 2.700 zusätzliche Planstellen für Lehrer geschaffen. Allein zu diesem Schuljahr wurde die Anzahl der gebundenen Ganztagszüge um rund ein Viertel und die Anzahl der offenen Ganztagsgruppen um mehr als 300 ausgeweitet.
Der Lehrplan für die bayerische Grundschule ist ausgewogen und stellt in sich eine geschlossene Einheit dar. Mit Beginn der Grundschulzeit treten die Kinder in einen neuen Lebensabschnitt ein. Es beginnt für sie eine Reihe von Jahren, in denen das vormals spielerische Lernen durch zunehmend systematisches Lernen ersetzt wird. Der Lehrplan ist auf die Heterogenität der Schüler, die vor allem in der Schuleingangsphase von großer Bedeutung ist, ausdrücklich darauf abgestimmt.
Der Lehrplan der Grundschule ist auf 26 Wochen ausgelegt. Bei insgesamt 37 Schulwochen steht damit ein Freiraum zur Verfügung, der der Lehrkraft die Möglichkeit gibt, die Kinder gemäß deren Bedürfnissen zu fördern. Dieser pädagogische Freiraum kann dazu genutzt werden, einzelne Inhalte vertieft zu üben, spezifische Schülerinteressen aufzugreifen, situative Anlässe zu vertiefen und das Schulleben erzieherisch zu gestalten.
Bei der Lehrplankonzeption wurden aktuelle Erkenntnisse der pädagogischen Wissenschaften aufgegriffen und Erfahrungen aus erfolgreichen Schulversuchen der vergangenen Jahre einbezogen. Nicht zuletzt bildeten eine Befragung der Grundschullehrkräfte und eine Anhörung aller an Bildung und Erziehung beteiligten Einrichtungen, Organisation und Verbände eine verlässliche Grundlage für die Erarbeitung des Lehrplans.
Ich hoffe, durch diese Ausführungen Ihre wesentlichen Fragen für Sie zufriedenstellend beantwortet zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Georg Hahn
Leitender Ministerialrat