Dr. Jorgo Chatzimarkakis (FDP)
Abgeordneter EU-Parlament 2004-2009
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Grunddaten
Dr. Jorgo Chatzimarkakis
Jahrgang
1966
Berufliche Qualifikation
Politikwissenschaftler
Ausgeübte Tätigkeit
MdEP
Wohnort
-
Bundesland
Saarland
Bundeslistenplatz
3, über Liste eingezogen
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(...) In der Vergangenheit haben die Europäischen Bürger immer wieder erfahren müssen, dass gerade im Finanzbereich in der EU eben nicht immer alles nach Recht und Ordnung und in transparenten Bahnen verlief. Ich glaube daran, dass die Arbeit von OLAF, des Haushaltskontrollausschusses und auch des Europäischen Rechnungshofes zu wichtig ist, um Sie einem politischen Verwirr- und Taktierspiel einiger Europaabgeordneter auszusetzen, die sich mit der Einbringung ganzer Antragspakete viel mehr selbst profilieren wollen, als dass sie ein Interesse an der Sache hätten. (...)
Parlamentarische Arbeit
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
06.04.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Chatzimarkakis,

auf Ihrer Homepage konnte ich folgende "Neuigkeit" (naja, sie datierte zurück von 2007) entdecken, die Ankündigung eines Strategiepapiers zur Vereinigung der FDP mit den Grünen:

"Wie Grüne und FDP zusammenfinden
Es ist eine kühne Vision: Im stern hat FDP-Vorstand Jorgo Chatzimarkakis ein Strategiepapier veröffentlicht, das auf die Fusion zwischen FDP und Grüne dringt. Im stern.de-Interview erläutert er nun, weshalb die Liberalen unbedingt mit den Grünen anbandeln müssen - und was für eine Macht daraus erwachsen könnte."

Ich habe nun ein paar kleine Fragen dazu, da ich das Modell an sich sehr interessant, wenn auch unheimlich schwer für zu bewerkstelligen halte: Halten Sie ein solches Modell für die nächsten Jahre schon für realistisch und Ihre Meinung noch immer aufrecht, obwohl die Grünen in letzter Zeit eher in Gedankenspiele einer Koalition mit SPD und Linke denn mit der FDP in Verbindung gebracht worden sind? Würden Sie sich persönlich auch auf Bundesebene dafür einsetzen und politisch am Aufbau der neuen Kraft mitwirken, oder sehen Sie Ihre Zukunft weiterhin in Europa, von wo aus die EInflüsse auf die Parteipolitik wohl etwas begrenzter sind als direkt in Deutschland (auch Cem Özdemir bewirbt sich ja für die folgende Wahl wieder um ein Budnestagsmandat)? Und schließlich, können Sie mir eine Version des Strategiepapiers per Mail zukommen lassen?
Vielen Dank für die Beantwortung!
Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Dr. Jorgo Chatzimarkakis
5Empfehlungen
16.04.2009
Dr. Jorgo Chatzimarkakis
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage auf abgeordnetenwatch.de.

Um Ihre Frage zu beantworten, ob ich das Modell einer Fusion zwischen Grünen und FDP trotz der gegenwärtigen politischen Entwicklung bei den Grünen für realistisch halte, möchte ich Sie auf den Leitartikel der FAZ vom 15.04.2009 verweisen, dessen Einstellung ich grundsätzlich teile.
Weiterhin kann ich Ihnen mitteilen, dass ich meine Zukunft ganz klar in Europa sehe, zumal hier schon oft eine Zusammenarbeit beider politischer Strömungen stattgefunden hat.

Eine Version des Strategiepapiers finden Sie unter dem nachstehenden Link, den Artikel der FAZ vom 15.04.2009 im Anhang dieser E-Mail.

www.stern.de

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen
Jorgo Chatzimarkakis
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
03.05.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Chatzimarkakis,

am 29.04. strahlte "Deutschlandradio" eine Diskussionsrunde zum Thema "Die EU in der Weltwirtschaftskrise" aus, an der Sie teilnahmen. Im Verlauf der Debatte sagten Sie, dass alle Wähler, die nicht an einer Wahl teilnämen, erklären würden, mit den Verhältnissen zufrieden zu sein. Zur Klarstellung: Der Nichtwähler macht von seinem Recht Gebrauch, das ihm der Grundgesetzgeber ausdrücklich einräumen wollten. Ausweislich der Unterlagen zu den Beratungen des Parlamentarischen Rates (Quelle: "Der Parlamentarische Rat 1948–1949. Akten und Protokolle", Deutscher Bundestag) wurde die Wahlenthaltung diskutiert und am Ende als unverzichtbare Möglichkeit der politischen Meinungsäußerung befürwortet. Das Ratsmitglied Georg Diederichs stellte fest (Quelle: s.o.), dass dies auch eine Wahl sei. Das ist gewissermaßen der vornehmste Ausdruck zivilisierter Unzufriedenheit und stellt klar, dass der Bürger mit dem Wahlangebot (FDP u.a.) unzufrieden ist. Es verschlägt einem die Sprache, dass Sie denjenigen, die bewusst nicht zur Wahl gehen, gerade weil sie mit der Politik dieser Parteien, für die auch Sie stehen, unzufrieden sind, unterstellen, sie seien in Wahrheit mit den Verhältnissen zufrieden. Sie negieren nicht nur den Wählerwillen, sondern machen sich auch noch über die verfassungsmäßigen Rechte der Nichtwähler und ihre Wahlentscheidung lustig! Sie tun das, was die Nichtwähler den Parteien vorwerfen: Sie nehmen die Bürger nicht ernst. Meine Frage vor diesem Hintergrund an Sie ist deshalb: Warum glauben Sie, mit derlei Äußerungen die Menschen an die Wahlurnen holen und für die Sache der etablierten Parteien interessieren zu können?

Mit freundlichem Gruß, H.
Antwort von Dr. Jorgo Chatzimarkakis
7Empfehlungen
06.05.2009
Dr. Jorgo Chatzimarkakis
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihr engagiertes "Nachhaken" in Bezug auf die Sendung am 29.04.09 im Deutschlandfunk. Sie schreiben, dass Sie sogar im Publikum saßen. Schade, dass Sie mich nicht in der abschließenden Publikumsdiskussion angesprochen haben. Dann hätten wir sicherlich eine interessante und spannende Diskussion gehabt!

Dann also auf diesem Weg: Kern Ihrer Anfrage ist, dass ich als Politiker die Bürger nicht ernst nehmen und mich sogar über sie "lustig" machen würde. Sie führen das auf meine Äußerung zurück, in der ich erklärt hatte, dass im Großen und Ganzen diejenigen, die nicht wählen würden, mit den Verhältnissen zufrieden seien. Hinter dieser These stehe ich nach wie vor.

Doch zunächst zu Ihrer Hauptkritik: Sie argumentieren, dass eine Wahlenthaltung "gewissermaßen der vornehmste Ausdruck zivilisierter Unzufriedenheit" sei, also der Hauptgrund bei Nichtwählern. Ich denke wir sind uns beide einig, dass für eine Wahlenthaltung nicht zwangsläufig und gesetzmäßig Unzufriedenheit mit der Demokratie der Grund sein kann. Das wäre genau so eine Verallgemeinerung wie Sie sie ja auch mir vorwerfen - nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Als Politikwissenschaftler habe ich mich im Laufe meines Studiums ausführlich mit Wahlforschung befasst - und hier natürlich auch mit der Gruppe der Nichtwähler. Der Nichtwähler ist dabei bis heute weitgehend ein unbekanntes Wesen geblieben, wie Dr. Norbert Kersting 2004 in der Zeitschrift für Politikwissenschaft schreibt (Aufsatztitel: "Nichtwähler: Diagnose und Therapieversuche", Zpol 2/04, S. 404-427).

Laut der bisher vorliegenden Studien, die Kersting exzellent zusammenfasst, gibt es folgende Gründe, warum Wähler zu Nichtwählern werden: a) der sozioökonomische Status (z.B. Bildungsniveau), b) Altersgründe (sinkendes Interesse für Politik, körperliche Beeinträchtigungen, c) Rollenmuster (Frauen wählen seltener), d) soziale Netzwerke (in einem politisch motivierten Milieu kommt es eher zur Wahlteilnahme) oder e) Normalisierung der Demokratie, sinkendes "Wahlpflichtbewusstsein" auf Seiten der Wähler. Übrigens ist die Wahlbeteiligung in Deutschland gar nicht so schlecht. Im internationalen Vergleich ist sie immer noch sehr hoch. Das ist auch sehr gut im erwähnten Aufsatz von Kersting nachzulesen.

Ein anderer, wesentlicher Grund, der gerade auch bei den Europawahlen hinzukommt, ist die Medienberichterstattung. Wenn viel berichtet wird oder zumindest in den Medien kommuniziert wird, dass es um eine wichtige Entscheidung geht (nehmen Sie nur die Bundestagswahl 1998 bzw. 2002), steigt auch bei den Wählerinnen und Wählern das Bewusstsein für eine Teilnahme, ergo die Wahlbeteiligung steigt. Bei Europawahlen und natürlich auch bei Europapolitik, haben wir leider generell eine "sparsame" Berichterstattung. Resultat ist eine seit Jahren sinkende Wahlbeteiligung (Zum Nachlesen: Europa-Wahlkampf 2.0, Das Parlament, Nr. 12 / 16.03.2009). Übrigens ist das nicht nur in Deutschland so, sondern auch europaweit.

Diesen Zusammenhang dokumentiert auch eine aktuelle Meinungsumfrage von Eurobarometer (März 2009). Auf die Frage ob in der letzten Zeit in der eigenen Wahrnehmung in den Medien über das Europäische Parlament berichtet wurde, antworteten 60% der Befragten mit Nein. Dennoch haben nur 21% einen "generell schlechten Eindruck" vom Europäischen Parlament; 44% haben einen guten Eindruck, 32% sind indifferent. Der Anteil derjenigen, die wünschen, dass das EP eine wichtigere Rolle einnimmt, liegt bei 48%, diejenigen, die mit dem EP so zufrieden sind, wie es ist, liegt bei 16% - insgesamt also 64% tendenzielle Grundzufriedenheit. Gleichzeitig sprechen sich 53% dafür aus, dass die Mitglieder des Europäischen Parlaments durch die Bürgerinnen und Bürgern direkt gewählt werden sollen.

Ich finde, dass dies doch sehr robuste Werte sind: Wenn rund 64% der Wähler grundsätzlich zufrieden sind, kann man nicht von einer generellen Geringschätzung des Europäischen Parlaments sprechen. Daher meine These, dass diejenigen, die nicht zur Wahl gehen, eigentlich zufrieden sind. Das Hauptproblem, warum die Wahlbeteiligung 2004 relativ gering war, ist aus meiner Perspektive also bei den genannten Aspekten zu sehen. Dass auch ein gewisser Prozentsatz an Wählern aus Unzufriedenheit mit europäischer Politik nicht wählen geht, ist mir natürlich auch bewusst.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: auch ich freue mich, wenn mehr als 50% der Wähler abstimmen. Oder sogar 60% - manchmal träume ich sogar von 80%! Allein schon, weil ich den aktiven Bürger möchte, der sein Recht - und auch seine Wahlpflicht wahrnimmt. Dass Sie zumindest zu den politisch sensibilisierten Menschen in Deutschland gehören, die sich intensiv Gedanken machen, zeigt Ihre engagierte Anfrage. Ich hoffe, ich konnte Sie zumindest überzeugen, dass ich mich nicht über Nichtwähler "lustig" mache. Das steht mir nämlich fern - dazu ist für mich (Europa)-Poltik ein viel zu ernstes Gebiet.

Mit besten Grüßen

Dr. Jorgo Chatzimarkakis
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
06.05.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Chatzimarkakis,
ich danke Ihnen für Ihre zügige Antwort. Allerdings wäre es in diesem Falle besser gewesen, Sie hätten sich etwas mehr Zeit für die Bearbeitung gelassen.
Zum einen habe ich an keiner Stelle geschrieben, dass ich im Publikum saß. Zum anderen kann man auf dradio.de nachhören, dass Sie gesagt haben, dass diejenigen, die nicht zur Wahl gehen, zum Ausdruck bringen, mit den Verhältnissen zufrieden zu sein. In Ihrer Antwort relativieren Sie ihre Äußerung.
Schließlich aber liegt Ihre Antwort neben der Sache. Kern meiner Anfrage ist nicht das, was Sie behaupten, sondern meine Frage am Ende des Textes. Diese haben Sie nicht beantwortet. Es wäre sehr schön, wenn Sie das nachholen würden.
Bei der Gelegenheit präzisiere ich auch gerne den scheinbar so versteckten Gedanken meiner Anfrage. Wenn, wie nach aktuellen Prognosen zu erwarten ist, bei der EP-Wahl rd. 60% der Deutschen nicht an der Wahl teilnehmen, dann hat jeder Abgeordnete ein Legitimationsproblem: Die Mehrheit will ihn nicht. Es ergibt keinen Sinn, auf Kersting oder Eurobarometer zu verweisen und so zu tun, als sei alles in Butter. Umfragen sind nun mal beliebig in ihrer Aussagekraft, Wahlergebnisse aber nicht. Meine zweite, ergänzende Frage an Sie deshalb: Müsste nicht derListenabgeordnete -wie Sie- abgeschafft werden? Sollte nicht etwa nur derjenige, der sich in einer Direktwahl durchgesetzt hat, MdEP sein? England zeigt, dass liberale Ideen auch in einem solchen System erfolgreich sein können.
MfG, H.
Antwort von Dr. Jorgo Chatzimarkakis
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08.05.2009
Dr. Jorgo Chatzimarkakis
Sehr geehrter Herr ,

da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken: Sie haben Recht, Sie schreiben nicht, dass Sie im Publikum saßen. Da ich selbst in Berlin war und wir eine engagierte Publikumsdiskussion nach der Sendung hatten, ging ich intuitiv davon aus, dass auch Sie dort gewesen sein müssen.

Sie schreiben, ich solle mich zu Ihrer letzten Frage in ihrer ersten Anfrage äußern. Ich habe mich zu dieser Frage nicht geäußert, weil Sie hier von etwas ausgehen, was ich gar nicht intendiert habe und eigentlich auch nicht aus meiner Aussage ableitbar ist. Meine Äußerung war keine Handlungsaufforderung, sondern eine reine Meinungsäußerung, die zugleich natürlich auch eine Interpretation war - was in einer freien Demokratie ja durchaus zulässig ist.

Das ist auch das Stichwort, um auf den zweiten Teil Ihrer Anfrage einzugehen. Sie gehen davon aus, dass das Europäische Parlament ein Legitimationsproblem habe, wenn 60% der Deutschen tatsächlich nicht zur Wahl gehen sollten. Ich kenne die politikwissenschaftlichen Thesen zur Frage der demokratischen Legitimation, teile sie aber nicht.

Hier sollte nämlich ein Grundproblem berücksichtigt werden: man kann schließlich niemanden zwingen, zur Wahl zu gehen. Wenn Sie jetzt grundsätzlich festlegen wollten, dass ein Parlament ab einer bestimmten Wahlbeteiligung keine Legitimation mehr haben soll, dann frage ich mich, wie das in der Praxis umsetzt werden soll. Soll man so lange wählen, bis ein vorher festgelegter Schwellenwert erreicht ist? Soll das aktuell bestehende Parlament so lange nur kommissarisch im Amt sein und deshalb quasi in seiner Gestaltungskraft "gelähmt" sein, bis dann endlich die "richtige" Wahlbeteiligung erreicht ist?

Deshalb teile ich auch Ihre These nicht, dass ein Abgeordneter ein "Legitimationsproblem" habe, wenn 60% der Wähler nicht zu den Urnen gehen. Sie gehen ja im Besonderen davon aus, dass dies ein Zeichen der Ablehnung sei. Ich kann hier nur wieder auf das verweisen, was ich Ihnen bereits gestern geschrieben hatte: Motive, an einer Wahl teilzunehmen, sind vielfältig. Unter anderem natürlich auch, weil man mit dem System unzufrieden ist. In diesem Fall gibt es aber ein eindeutigeres Mittel, um seine Unzufriedenheit auszudrücken, etwa in dem man den Stimmzettel ungültig macht. Und selbst das ist noch nicht eindeutig, es sei denn Sie schreiben ein klares Statement auf den Zettel.

Hier kommen wir auch schon zum dritten Teil Ihrer Anfrage, nämlich ob "Listenabgeordnete" wie ich abgeschafft werden sollten. Zunächst haben wir uns aus historischen - und guten - Gründen für unser bestehendes Wahlrecht entschieden. Gerade kleine Parteien haben hier auch Chancen. Hinter der FDP stehen Wählerinnen und Wähler, die 2004 bewusst für uns gestimmt haben. Nach ihrer Argumentation soll die Stimme dieser Bürger unter den Tisch fallen. Hier ist aber zu bedenken: diese Wähler haben sich immerhin aktiv engagiert und Ihren Willen klar zum Ausdruck gebracht. Für mich ist das ein eindeutigeres Votum als die vermuteten Absichten der Gruppe der Nichtwähler.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jorgo Chatzimarkakis
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Frage zum Thema Gesundheit
27.05.2009
Von:

Der Versandhandel mit Arzneimittel trägt zu einer besseren Versorgung der Bürger mit Arzneimittel bei.

Sehr geehrter Herr Jorgo Chatzimarkakis ,

mit Verwunderung habe ich Ihre Aussage gelesen,
" die Versandapotheke trägt zu einer besseren Versorgung bei."

Können Sie mir diese Ausage bitte genauer erklären?

Können sie mir bitte Beispiel nennen , die das belegen ?

Welche Verbesserung bietet Ihrer Meinung nach die Versandapoptheke gegenüber der wohnortnahen Apotheke ?

Ich darf mich auf Ihre Antwort freuen,
Antwort von Dr. Jorgo Chatzimarkakis
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02.06.2009
Dr. Jorgo Chatzimarkakis
Sehr geehrter Herr ,

die Vorteile des Versands von Arzneimitteln liegen vor allem für vier Gruppen von Patienten auf der Hand:

a) Chronischkranke, die in Hinblick auf ihre Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind

b) Patienten, die im ländlichen Raum in abgelegenen Gegenden leben und nur eingeschränkte Mobilität haben

c) Patienten, die beruflich/zeitlich eingespannt sind

d) Patienten, die gerne die volle Flexibilisierung bei ihrer Medikamentenversorgung haben möchten

Ich denke, dass sich die Frage nach den Vorteilen von Versandapotheke/wohnortnahe Apotheke von einer unterschiedlichen Fragestellung her beantworten lässt. Die Vorteile von beiden Absatzformen sind dabei unterschiedlich zu akzentuieren: während der Versand Patienten mit eingeschränkter Mobilität hilft, bietet die Apotheke vor Ort auch Rat, der gar nicht hoch genug bewertet werde kann.

Der Versandhandel mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland ist ja seit 2004 erlaubt. Für Versandapotheken gelten dabei dieselben Anforderungen wie für Präsenzapotheken. Als Europapolitiker setzte ich mich in der Frage des Versandhandels insbesondere für die Etablierung hoher Standards ein.

Denn ein Hauptproblem ist, dass Verbraucher im Internet bisher nicht erkennen können, ob eine Versandapotheke eine behördliche Erlaubnis zum Versandhandel besitzt. Seit April führt das Deutsche Institut für Medizinische Information und Dokumentation (DIMDI) ein Register, in dem alle lizenzierten Versandapotheken erfasst sind.

Eine entsprechende Lösung wünsche ich mir auch auf EU-Ebene. Immerhin ist das Internet zu 80 Prozent das Einfallstor für gefälschte Arzneimittel in Europa. Hier müssen wir dringend ansetzen. Und hier werde ich mich in der nächsten Legislaturperiode engagieren, sollte es zu entsprechenden Legislativ-Vorschlägen von Seiten der Kommission kommen.

In der nächsten Ausgabe der Deutschen Apotheker Zeitung werde ich in einem Interview zu dieser Frage - und auch zu weiteren mehr, ausführlich Stellung beziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Jorgo Chatzimarkakis
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