Dr. Joachim Pfeiffer (CDU)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Dr. Joachim Pfeiffer
© Bundestagsfraktion CDU/CSU
Geburtstag
25.04.1967
Berufliche Qualifikation
Diplomkaufmann
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Waiblingen
Wahlkreis
Waiblingen , über Wahlkreis eingezogen
Ergebnis
43,0%
Landeslistenplatz
keinen, Baden-Württemberg
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(...) Die Wehrpflicht ist ein Grundelement gesellschaftlicher Teilhabe und gewährleistet durch ihre Struktur die Repräsentanz aller Gesellschaftsschichten. (...) Zuletzt fragen Sie mich, ob eine transparente Berichterstattung über den Afghanistaneinsatz von Bedeutung für den Zusammenhalt von Bundeswehr und Gesellschaft sei. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
02.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Pfeiffer,

bezugnehmend auf Ihre Antwort vom 02.02.2012 auf die Frage des Vertrauensschutzes, möchte ich gerne mit einer Gegenfrage auf die von Ihnen getätigte Frage antworten.

Zitat:
"Ich erlaube mir an dieser Stelle im Gegenzug eine Frage an Sie: Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie Arbeitgeber wären, sich auf bestehende Tarifverträge verlassen hätten, und nun unvorhergesehen mit nicht zu stemmenden Nachforderungen konfrontiert würden, deren Zahlung in letzter Konsequenz zur Vernichtung von Arbeitsplätzen bis hin zu Insolvenzen führen könnte? Gerne höre ich Ihr Feed back, ob Sie angesichts dieser Sachlage unseren Beschluss nun nachvollziehen können?"

Ich zitiere aus dem Panorama-Interview mit Herrn Professor Schüren:
"Nach Einschätzung des Arbeits- und Tarifrechtsexperten Prof. Peter Schüren ist das CDU-Argument des Vertrauensschutzes der Zeitarbeitsfirmen "irrwitzig", da jeder Arbeitgeber das Risiko hätte ausräumen können, indem er die Tariffähigkeit der CGZP hätte klären lassen."
Wieso haben das die Zeitarbeitsfirmen nicht gemacht? Wenn sie dazu finanziell nicht in der Lage sind, eine solche Prüfung vornehmen zu lassen, dann ist doch der Arbeitgeberverband der richtige Ansprechpartner. Wieso hat man zur Prüfung diese Organisation nicht angerufen?

Auf Ihre Antwort hoffend verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

J.
Antwort von Dr. Joachim Pfeiffer
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07.02.2012
Dr. Joachim Pfeiffer
Sehr geehrter Herr ,

ich antworte mit einem Gegenzitat aus dem Jahresgutachten des Sachverständigenrats für Wirtschaft von November 2011, der sich ebenfalls explizit dafür ausgesprochen hat, den betroffenen Zeitarbeitsunternehmen Vertrauensschutz für die Zeiten vor der Urteilsverkündung zuzuerkennen. Hier ein Auszug aus dem Jahresgutachten:

"Nach Ansicht des Sachverständigenrates sollte den betroffenen Zeitarbeitsunternehmen ein Vertrauensschutz für die Zeiten vor der Urteilsverkündung zuerkannt werden. [...] Das vom BAG angewandte Kriterium zur Feststellung einer Tariffähigkeit ist nach seinem eigenen Bekunden sowie gemäß der Auffassung der juristischen Literatur neu [...]. Die betroffenen Unternehmen hätten nicht vorhersehen können, dass die mit der CGZP abgeschlossenen Tarifverträge aufgrund einer Änderung der Rechtsprechung rechtsunwirksam sind, zumal die Tarifverträge der CGZP damals über drei Jahre angewendet worden waren, ohne dass die DGB-Gewerkschaften ein arbeitsgerichtliches Verfahren eingeleitet hätten [...]. Mithin bestand für die den CGZP-Tarifvertrag anwendenden Leiharbeitsfirmen kein Anlass, an der Rechtswirksamkeit ihres Tarifvertrags zu zweifeln. Selbst wenn die rückwirkende Unwirksamkeit der CGZP-Tarife endgültig von der Arbeitsgerichtsbarkeit bejaht wird, sollte sie aus den genannten Gründen einen Vertrauensschutz gewähren."

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Joachim Pfeiffer MdB
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
03.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Doktor Pfeiffer,

wie Sie vielleicht mitbekommen haben, hat sich Ihr Fraktionskollege Ansgar Heveling in einem Gastkommentar lautstark zum Thema Netzpolitik geäußert. Hierbei fand er drastische Worte, schreckte vor der unfassbar arroganten Verunglimpfung einer ganzen, seiner Meinung nach "verlorenen" Generation nicht zurück und forderte Gesetze zum besseren Schutz des geistigen Eigentums im Internet, nach den Vorbildern SOPA und ACTA. Gesetze dieser Art bedrohen nicht nur die Freiheit, sondern auch die Sicherheit und Integrität der Kommunikation im Internet.

Es drängt sich mir als Angehöriger der "verlorenen Generation" der Eindruck auf, dass das Thema Internet in der Politik nur sehr stiefmütterlich und ohne tiefergehendes technisches Verständnis, dafür umso mehr im Sinne starker Lobbygruppen behandelt wird. Pauschalisierungen und hohle Phrasen vom rechtsfreien Raum, wie Sie nicht nur von Heveling zu hören sind, stellen Internetnutzer unter einen generellen Verdacht, während die Lobbyarbeit der Musik- und Filmindustrie auf offene Ohren und Türen in der Politik stößt.

Herr Dr. Pfeiffer, darf ich mir Hoffnung machen, dass auch Ihre Partei erkennt, welch herausragende Rolle das Internet im Leben von nicht nur jungen Menschen spielt und endlich zu einer vernünftigen, sachlichen Netzpolitik übergeht? Oder muss ich die Piraten wählen, bis die Uhls und Schäubles und Friedrichs dieses Landes in Pension gehen und auch bei den Konservativen die ersten netzaffinen Menschen Führungspositionen innehaben? Welche Rolle spielt die Netzpolitik in Ihrer täglichen Arbeit und der des Parlaments? Was halten Sie persönlich (!) von den Ausführungen Ihres Kollegen Heveling? Spricht er für die Fraktion?

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Mit freundlichem Gruß
Antwort von Dr. Joachim Pfeiffer
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07.02.2012
Dr. Joachim Pfeiffer
Sehr geehrter Herr ,

Sie müssen sich nicht sorgen, dass das Thema Internet in der Politik und in meiner Partei zu stiefmütterlich behandelt würde, denn seit 2010 befasst sich der Deutsche Bundestag auf Initiative der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in einer extra dafür eingerichteten Enquete-Kommission "Internet und Digitale Gesellschaft" damit. Die Arbeit der Kommission ist in vier Projektgruppen zu den Themen "Netzneutralität", "Datenschutz/Persönlichkeitsrechte", "Urheberrecht" und "Medienkompetenz" aufgeteilt. Am 02.02.2012 hat die Kommission ihren 4. Zwischenbericht zum Thema Netzneutralität (Bundestags-Drucksache 17/8536) vorgelegt. Der 3. Zwischenbericht vom 23.11.2011 befasst sich mit dem Urheberrecht (Drs. 17/7899). Im 2. Zwischenbericht vom 21.10.2011 wird das Thema Medienkompetenz behandelt. Den ersten 1. Zwischenbericht vom 19.04.2011 mit einem Überblick über die Arbeit finden Sie unter der Drucksache Nr. 17/5625.

In dieser Enquete-Kommission haben nicht nur die je 17 Sachverständigen und Abgeordneten das Wort, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger. Im Mittelpunkt der Beteiligung steht die Plattform www.enquetebeteiligung.de . Als registrierter Nutzer verfügt man hier über die Möglichkeit, online den verschiedenen Projektgruppen beizutreten, um auf diese Weise den einzelnen Themen und Diskussionen zu folgen, aber darüber hinaus auch selbst Vorschläge zu formulieren und einzubringen. Die Ergebnisse dieser Diskussionen werden dann regelmäßig in den Projektgruppensitzungen besprochen. Dort wird geprüft, wie die Anregungen der Nutzer aufgegriffen werden können. Die Bürgerbeteiligung dürfte gerne höher ausfallen, denn aktuell verzeichnet die Plattform nur knapp 2100 registrierte Nutzer und ca. 380 Vorschläge zu einzelnen Themen und Diskussionen. Auch Sie, Herr , dürfen sich hier gerne einbringen.

Wenn wir das Prinzip eines freien Internets bewahren wollen, sind sowohl Eigenverantwortung als auch die Einhaltung gesellschaftlicher Normen im Netz unverzichtbar. Das Internet ist schließlich kein rechtsfreier Raum. Freiheit endet immer dort, wo die Rechte anderer tangiert werden. Das ist etwa der Fall, wenn Straftaten begangen werden. Man muss die Nutzer aufklären, aber auch die Unternehmen in die Verantwortung nehmen. Firmen und Behörden müssen die Sicherheit ihrer Systeme ständig weiterentwickeln, Bürger und Verbraucher die verfügbaren Sicherheitsprodukte allerdings auch nutzen. Der sensible Umgang mit den eigenen Daten gehört unabdingbar dazu.

In der Debatte um das Urheberrecht im digitalen Zeitalter geht es darum, einen Ausgleich der Interessen zu schaffen. Wer kreative Inhalte erstellt oder vertreibt, hat einen Anspruch darauf, dass seine Rechte gewahrt bleiben. Das wird nicht in Frage gestellt. Das Urheberrecht bedarf jedoch einer dringenden Anpassung. Der Handlungsbedarf ist deutlich vor allem im Bereich Privatkopie. Die gegenwärtige Regelung "bestraft" am Ende denjenigen, der einen Film ordnungsgemäß erworben hat.

Seien Sie versichert, Herr , dass die CDU sehr genau weiß, dass das Internet heute ein fester Bestandteil unseres – auch meines – Alltags ist. Das Thema Netzpolitik ragt als Querschnittsthema in nahezu jedes Politikfeld hinein. Nicht zuletzt deshalb haben wir auch in einer fraktionsoffenen Sitzung am 24.01.2012 mit Experten darüber diskutiert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Joachim Pfeiffer MdB
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Frage zum Thema Soziales
04.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Pfeiffer,

mit grossem Interesse habe ich in diesem Forum Ihren Kommentar vom 16.03.2009 gelesen, Was fuer ein weitsichtiger und intelligenter Bundestagsabgeordneter Sie doch sind!

Endlich trifft man einen aufrechten Schergen, der nichts dagegen hat, wenn sich die durch seine Entscheidungen unmittelbar Betroffenen an ihm uneingeschraenkt schadlos halten werden.

Ich stimme Ihnen zu, es ist ja wohl nur gerechtfertigt, wenn man dann Bundestagsabgeordneten gesamtschuldnerisch fuer die Buerger in die Haftung nimmt, wenn die eingegangenen Euro-Buergschaften einmal schlagend werden.

Nun sind die Risiken aus Buergschaften seither deutlich angewachsen. Waren es im Dezember 2011 nur etwa 600 Milliarden EUR, fuer die Sie persoenlich haften, ist es seit letzter Woche deutlich mehr geworden.

Am 28.01.2012 meldete das Handelsblatt Online:

"Am Donnerstag hat der Bundestag für die Reaktivierung des 480 Milliarden Euro schweren Bankenrettungsfonds Soffin gestimmt. Mit den EU-Hilfen stehen die deutschen Steuerzahler nun für mehr als eine Billion Euro gerade."

Nun betraegt das Gesamtrisiko also mehr als der dreifache jaehrliche Bundeshaushalt.

Man kann es hier nicht sehen, ob Sie an diesem Donnerstag auch fuer den Soffin gestimmt haben, oder zumindest dafuer gesorgt haben, dass er genehmigt wird.

Nun also meine erste Frage: Waren Sie auch dabei, als ueber diesen Unsinn abgestimmt wurde, und wofuer haben Sie gestimmt? Auf Abgeordnetenwatch kann man darueber nichts sehen.

Und die zweite Frage: meine Frau hat auf Anraten der Bundesregierung ihre gesamte Altersversorgung durch Riesterrenten-Papiere abgedeckt. Werden Sie persoenlich meine Frau im Rentenalter dann monatlich unterstuetzen, wenn die Allianz uns erklaert, dass ihre Ersparnisse alle in Griechenland versenkt wurden? Der Kollaps ist doch durch Sie mitverschuldet und billigend in Kauf genommen. Da ist es doch nur Recht, wenn Sie persoenlich uns dann monatlich Geld zuschicken.
Antwort von Dr. Joachim Pfeiffer
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05.03.2012
Dr. Joachim Pfeiffer
Sehr geehrter Herr ,

Ihre absurde Interpretation meiner Antwort vom 16.03.2009 an Hans Weiß kommentiere ich nicht. Gerne erläutere ich Ihnen die Gesamtsituation aus meiner Sicht.

Der im Jahr 2012 stark ansteigende Refinanzierungsbedarf mehrerer Mitgliedstaaten, die nachlassende konjunkturelle Entwicklung sowie die verschärften Eigenkapitalanforderungen an die Banken erhöhen erneut das Risiko von Zuspitzungen an den Finanzmärkten. Mit dem zweiten Finanzmarktstabilisierungsgesetz, welches am 26. Januar 2012 im Deutschen Bundestag – auch mit meiner Stimme – beschlossen wurde, nehmen wir unseren Teil der europäischen Verantwortung wahr und liefern unseren deutschen Beitrag zur Vermeidung von Ansteckungseffekten in der Währungsunion. Um rechtzeitig vorzubeugen, wird daher der bewährte Finanzmarktstabilisierungsfonds - Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) - bis Ende 2012 befristet wiedereröffnet.

In der parlamentarischen Anhörung zu dem Gesetz haben die geladenen Experten die Reaktivierung des SoFFin durchweg begrüßt. Sollte aufgrund unerwarteter struktureller Ausgaben des SoFFin die nach der Schuldenbremse zulässige maximale Kreditaufnahme überschritten werden, so hätte der Deutsche Bundestag einen Plan zur direkten Tilgung der erhöhten Bundesschuld zu beschließen.

Sie wollen die Schuld an der Staatsschuldenkrise mir bzw. den Abgeordneten des Deutschen Bundestages zurechnen. Gerne an dieser Stelle eine Erläuterung über die Entstehung der Krise. Ihre Entwicklung erfolgte in vier Stadien. Das erste Stadium war die Subprime-Krise rund um den amerikanischen Immobilienmarkt. Im Zentrum standen jene Finanzprodukte, die Kredite für amerikanische Häuser überall in der Welt verstreut haben. Das zweite Stadium war der Vertrauensverlust im internationalen Finanzsystem nach der Lehman-Insolvenz. Daraus resultierte mit der weltweiten Wirtschaftskrise in der Realwirtschaft das dritte Stadium. Als viertes Stadium hat die europäische Staatsschuldenkrise im Mai 2010 mit Griechenland begonnen und inzwischen den Kern des europäischen Finanzsystems erreicht. Diese Verschuldungskrise ist nicht wirklich neu, aber durch die Immobilien- und die Finanzkrise noch weiter aus dem Ruder gelaufen. Nun besteht die Gefahr, dass sich durch die Staatsschuldenkrise wiederum eine neue Finanzkrise entwickelt. Diesen Zyklus gilt es zu durchbrechen.

Ziel muss es sein, den Euro nach innen und außen stabil zu halten. Es gilt jedoch, nicht nur auf Stabilität zu setzen, sondern neben der konsequenten Konsolidierung auch die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer zu stärken. Nur so ist Wachstum möglich, nur so können die Länder ihre Schulden abbauen. Klar ist: Deutschland kann es auf Dauer nur gut gehen, wenn es Europa gut geht. Deshalb wollen wir, dass ganz Europa gestärkt aus der Krise herauskommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Joachim Pfeiffer MdB
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Frage zum Thema Finanzen
28.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Pfeiffer,

in der aktuellen Videobotschaft auf der Homepage www.singhammer.net räumt Ihr Fraktionskollege als erster Unions-Bundestagsabgeordneter öffentlich ein, daß das gesamte Haftungsrisiko für Deutschand über eine Billion = tausend Milliarden liegt.

Dabei hat er allerdins vergessen, daß er vor zwei Wochen im Zuge der Euro-Katastrophe für den Bankenfonds Soffin gestimmt hat, das macht 560 weitere Milliarden.

Am 28.01.2012 meldete das Handelsblatt Online: "Am Donnerstag hat der Bundestag für die Reaktivierung des 480 Milliarden Euro schweren Bankenrettungsfonds Soffin gestimmt. Mit den EU-Hilfen stehen die deutschen Steuerzahler nun für mehr als eine Billion Euro gerade."

Mit den in Singhammers Videobotschaft angegebenen von der EZB aufgekauften PIGS-Bonds, dem derzeitigen Target2, und dem Griechenland II von gestern komme ich auf insgesamt 1,700 Milliarden Haftungsrisiken = etwa fünf Staatshaushalte.

Wie haben Sie denn gestern beim Griechenland II gestimmt?

Und wie haben Sie vorher beim Soffin-Paket gestimmt? Warum antworten Sie auf die Frage von vom 04.02.2012 nicht, mich und zwei andere Leser würde interessieren, ob Sie da auch mit der Herde gestimmt haben.

Und außerdem wäre noch interessant, wie weit Sie beim Risiko insgesamt mitgehen werden bzw, wo für Sie die Grenze erreicht ist. Bei einem Gesamtrisiko für Deutschland von jetzt fünf Bundeshaushalten, oder bei zehn Bundeshaushalten? Oder wollen Sie uns gleich für eine ganze Generation die Zukunft rauben, beispielsweise indem Sie den ESM in der jetzt bekannten oder einer ähnlichen Form durchwinken?
Antwort von Dr. Joachim Pfeiffer
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21.03.2012
Dr. Joachim Pfeiffer
Sehr geehrter Herr ,

nach gründlicher Abwägung des Für und Wider habe ich sowohl der Wiedereröffnung des SoFFin bis Ende 2012 als auch dem zweiten Griechenland-Paket zugestimmt. Beide Maßnahmen dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern sind notwendige Bausteine im Rahmen der Gesamtsicht, die ich Ihnen im folgenden ausführlich erläutere:

Die Krise entwickelte sich in vier Stadien:

Das erste Stadium war die Subprime-Krise rund um den amerikanischen Immobilienmarkt. Im Zentrum standen jene Finanzprodukte, die Kredite für amerikanische Häuser überall in der Welt verstreut haben. Das zweite Stadium war der Vertrauensverlust im internationalen Finanzsystem nach der Lehman-Insolvenz. Daraus resultierte mit der weltweiten Wirtschaftskrise in der Realwirtschaft das dritte Stadium. Als viertes Stadium ist die europäische Staatsschuldenkrise im Frühjahr 2010 mit Griechenland eskaliert und inzwischen den Kern des europäischen Finanzsystems erreicht. Diese Verschuldungskrise ist nicht wirklich neu, hat sich aber durch die Immobilien- und die Finanzkrise erheblich zugespitzt. Nun besteht die Gefahr, dass sich durch die Staatsschuldenkrise wiederum eine neue Finanzkrise entwickelt. Diesen Zyklus gilt es zu durchbrechen.

Der Euro ist essentiell!

Als der Euro eingeführt wurde, kursierte die Befürchtung, dass er eine Weichwährung werde, weil die Südländer der Europäischen Union nicht die Stabilitätskultur aufweisen könnten wie die Nordländer. Diese Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet. Es hat sich im Gegenteil gezeigt, dass der Euro nach innen und außen stabiler ist als es die D-Mark je war. Die hatte 2,6 Prozent Inflationsrate, der Euro hat nur 1,6 Prozent. Früher musste sich ein europaweites Unternehmen gegen Währungsschwankungen absichern, damit nicht plötzlich das Verhältnis zwischen Produktionskosten und Verkaufserlösen verrutschte. Das entfällt im Euro-Raum und spart somit der deutschen Wirtschaft jährlich zehn Milliarden Euro. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge hat die Währungsunion den Wohlstand in den 17 Euro-Ländern bis einschließlich 2010 um 332 Mrd. Euro gemehrt. Das sind rund 3,6% des BIP der Euro-Zone. Die Hälfte davon entfällt allein auf Deutschland: Der positive Effekt für die deutsche Wirtschaft betrug stolze 165 Mrd. Euro oder 6,4% des BIP. Demnach gibt es übrigens kein Euro-Land, das nicht profitiert hätte; selbst für Krisenländer wie Griechenland oder Portugal ist die Bilanz positiv.

Wie entstanden die Schuldenberge in den einzelnen Ländern?

Eigentlich hatte die Einführung des Euro den heutigen Krisenstaaten eine große Chance geboten. Schon die Ankündigung der neuen Währung ließ ab etwa 1995 die Zinsaufschläge kräftig sinken, die die Südländer – verglichen mit Deutschland – auf Staatsanleihen zahlen mussten. Der griechische Staat beispielsweise musste 2005 nur noch 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Zinszahlungen aufwenden, gegenüber mehr als 11 Prozent Mitte der 1990er Jahre. Die Griechen und auch die Portugiesen nutzten die dadurch entstandenen Chancen jedoch nicht aus. Statt wachstumsfördernde Investitionen anzukurbeln, wurden der öffentliche Sektor aufgebläht und die sozialen Leistungen massiv ausgeweitet – in Griechenland etwa von 19 Prozent des BIP im Jahr 1995 auf mehr als 25 Prozent 2007. In Portugal stieg die Sozialausgabenquote ähnlich stark an. Beide Länder trieben damit bereits vor der jüngsten Krisen-Zuspitzung die gesamten Staatsausgaben in die Höhe. Die Wirtschaft verlor in derselben Zeit an Wettbewerbsfähigkeit. Die Folgen sind eine extrem hohe Staatsverschuldung und fehlende Strukturreformen, ohne die die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft enorm eingeschränkt ist.

Das europäische Krisenmanagement:

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone haben in den vergangenen Monaten verschiedene Maßnahmenpakete beschlossen (siehe Grafik), um Ansteckungsgefahren aus der Staatschuldenkrise einiger Euroländer für die Stabilität des Euroraums und der gemeinsamen Währung abzuwenden und Vorkehrungen für eine mögliche Ausweitung der krisenhaften Entwicklung zu treffen. Bei all diesen Maßnahmen geht es nicht darum, in Europa und den Euroraum mit viel Geld eine Transferunion zu errichten. Es geht darum, Zeit zu gewinnen für die Länder, die in Schwierigkeiten sind, damit sie ihre Probleme selbst lösen können (Hilfe zur Selbsthilfe). Und es geht darum, Zeit zu gewinnen für Europa, um Strukturprobleme zu beseitigen und künftigen Krisen vorzubeugen, indem frühzeitig wirtschaftliche und strukturelle Fehlentwicklungen oder Schwächen bei der Wettbewerbsfähigkeit aufgedeckt und – notfalls mit Sanktionen – korrigiert werden.

(Siehe angehängte Grafik)

Was ist jetzt zu tun?

Wir müssen es schaffen, nicht nur die Stabilität des Euro zu bewahren, sondern neben der konsequenten Konsolidierung unbedingt auch die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer zu stärken. Nur damit ist Wachstum möglich, nur so können die Länder ihre Schulden abbauen. Klar ist: Deutschland kann es auf Dauer nur gut gehen, wenn es Europa gut geht. Deshalb wollen wir, dass ganz Europa gestärkt aus der Krise herauskommt.

Die Stabilität unserer Gemeinschaftswährung und die Stabilitätskultur in der Eurozone sind heute unbestritten. Der Euro ist die konsequente und notwendige Fortführung des europäischen Integrationsprozesses. Er hat seine großen Vorteile bewiesen. Die Schuldenkrisen in einzelnen europäischen Ländern zeigen aber, dass diese Vorteile nur durch mehr europäische Integration und bessere Stabilität dauerhaft gesichert werden können. Meine Hoffnung ist, dass die aktuelle Krisensituation Anlass und Wendepunkt ist in Richtung zu einer nachhaltigen europäischen Haushalts- und Wirtschaftspolitik, so dass diese in weiteren 15 Jahren eine eben solche Selbstverständlichkeit ist wie die Stabilitätskultur. Es muss gesamteuropäisch die Erkenntnis greifen, dass man nicht dauerhaft über seine Verhältnisse leben kann. Europa muss zu einer Stabilitätsunion mit gemeinsamen Werten, glaubwürdigen Regeln und klaren Sanktionen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Joachim Pfeiffer MdB

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Frage zum Thema Ausweitung des Euro-Rettungsschirms (EFSF)
03.03.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Pfeiffer,

nachdem ich auf mein Schreiben vom 27.02.2012 an Sie über das Kontaktformular Ihrer Homepage noch keine Antwort erhalten habe, schreibe ich Ihnen über diesen Weg noch einmal.

Sie haben am 27.02.12 der Griechenland-Gesetzesvorlage (2. Rettungspaket) zugestimmt.

Wie werden Sie nun zum ESM abstimmen und warum?

Das ist die Gesetzesvorlage, die sinngemäß besagt, dass Deutschland unbegrenzt durch einen Gouverneursrat zur Einzahlung verpflichtet werden kann. Der G.Rat wird uneingeschränkte Immunität, auch über die jetzige Regierung hinaus, genießen. Die aktualisierte Gesetzesvorlage habe ich komplett gelesen. Ich befürchte, dass hier unsere Demokratie und Souveränität gerade abgewickelt wird, ohne dass dies jemand zur Kenntnis nimmt.

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Beste Grüße
(3.3.12 und 27.02.12)

PS: Auch der jetzt amtliche ESM-Vertrag sieht keinen Parlamentsvorbehalt vor. Der ESM und alle Beteiligten genießen natürlich umfassende gerichtliche Immunität. Die Archive des ESM und sämtliche Unterlagen sind unverletzlich (also geheim). Die Geschäftsräume sind unverletzlich (also kein Zutritt). Das gesamte Eigentum des ESM ist von allen Beschränkungen, Verwaltungsvorschriften, Kontrollen und Moratorien jeder Art befreit.
Antwort von Dr. Joachim Pfeiffer
bisher keineEmpfehlungen
06.03.2012
Dr. Joachim Pfeiffer
Sehr geehrter Herr ,

ich verweise auf meine Antwort vom 06.03.2012 auf Ihre E-Mail vom 27.02.2012.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Joachim Pfeiffer MdB
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