Dr. Heinrich L. Kolb (FDP)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Heinrich L. Kolb
Jahrgang
1956
Berufliche Qualifikation
Diplom Wirtschaftsingenieur, Dr. rer. pol.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Unternehmer
Wahlkreis
Odenwald
Landeslistenplatz
3, über Liste eingezogen, Hessen
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(...) Bei der Absolvierung eines Praktikums ist es heutzutage gang und gäbe, dass den Praktikantinnen und Praktikanten kein Gehalt gezahlt wird. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Arbeit
20.06.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Kolb,

ich wende mich an sie, weil sie ein Fachsprecher der FDP für Arbeit sind.
Ich bin ein junger politisch-interessierter Mensch, der der FDP durchaus nahe steht, da ich viele Inhalte Ihrer Partei gut finde. Womit ich aber überhaupt nicht einverstanden bin, ist die Wirtschaftspolitik der FDP. Ich habe mittlerweile mehrere Infopakete Ihrer Partei sowie einen Teil der Wiesbadener Grundsätze gelesen. Im Bezug auf die Wirtschaft habe ich folgenden Eindruck bekommen:

1. Der Markt ist heilig
2. Der Markt hat immer Recht
3. Wenn der Markt mal doch mal falsch liegt, tritt Punkt 1 in Kraft.

Meine erste Frage: Trifft diese Einschätzung zu?

Die FDP ist ja immer für Privatisierung und gegen Verstaatlichung. Dann schauen sie sich bitte folgendes Beispiel an.

Die Wasserversorgung der bolivianischen Stadt Cochabamba war staatlich geregelt, bis sie privatisiert und an die Firma Augas del Tunari verkauft wurde, welche nichts anderes war als eine Tochtergesellschaft des US-Wasserkonzerns Bechtel. Bechtel hat nach der Privatisierung sofort die Preise verdreifacht und sogar Regenwasser besteuert, weil die damalige Regierung in Bolivien sämtliche Wasserrechte an Bechtel abgetreten hat!

Als die Menschen sich nicht mal mehr ihr eigenes Trinkwasser leisten konnten, gingen sie auf die Straße und demonstrieren für eine Rücknahme der Privatisierung; bei den Protesten kommen 7 Menschen ums Leben. Ein Jahr später verklagte Bechtel die Regierung Boliviens wegen 25 Mio. Dollar GEWINN (also nicht mal Umsatz!).

Quellen: Welt der Wunder Heft 09/2008 und de.wikipedia.org

Meine zweite Frage: Wie stehen Sie und Ihre Partei zu einer solch unmenschlichen Form der Privatisierung und wie will die FDP dafür sorgen, dass so etwas ähnliches in Deutschland auch bei steigender Privatisierung nie möglich wird?

Ich erwarte dankend Ihre Antwort
Antwort von Dr. Heinrich L. Kolb
bisher keineEmpfehlungen
03.08.2009
Dr. Heinrich L. Kolb
Sehr geehrter Herr ,

es freut mich, dass Sie sich mit dem FDP Programm auseinandergesetzt haben.
Ich muss leider zugeben, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger die FDP hinsichtlich des Stellenwertes eines freien Marktes so einschätzen, wie Sie es auch tun. Aber ich kann Ihnen versichern, dass diese Einschätzung nicht den Tatsachen entspricht.

Die FDP tritt für einen starken Staat ein. Ein starker Staat ist ein schlanker Staat und kein aufgeblähtes bürokratisches Monster. Der Staat ist auch nicht der bessere Unternehmer.

Natürlich ist der Markt nicht heilig und hat auch nicht immer Recht. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise zu allererst die staatlichen Banken und mit ihren zuständigen die Aufsichts- und Regulierungsstellen versagt haben.

Wir fordern vernünftige Rahmenbedingungen, die der Staat vorzugeben hat und in deren Schranken der Markt zu agieren hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass die soziale Marktwirtschaft trotz vorhandener Schwachpunkte, allen anderen Wirtschaftssystemen überlegen ist. Die soziale Marktwirtschaft wird sich durchsetzen gegen einen hemmungslosen und regelfreien Kasino-Kapitalismus ebenso wie gegen die bürokratische Staats- und Planwirtschaft.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Heinrich L. Kolb
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Frage zum Thema Wirtschaft
28.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Kolb!

Sie sind Kandidat für meinen Wahlkreis.

Mir ist aufgefallen, dass im aktuellen Wahlkampf eigentlich nur über Geringverdiener/Harz IV-Emfänger, Reiche und Unternehmen gesprochen wird und wie die Steuerentlastungen für diese Gruppen aussehen soll. Meine Frage ist aber: Wie will man verhindern, dass weiterhin gut ausgebildete und hochqualifizierte Arbeitskräfte (z.B. Ingenieure) zu tausenden ins Ausland (z.B. Schweiz, USA) auswandern?

Ich danke Ihnen schon vorab für Ihre Antwort.

freundliche Grüsse
Antwort von Dr. Heinrich L. Kolb
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23.09.2009
Dr. Heinrich L. Kolb
Sehr geehrter Herr ,

für Ihre Frage vom 28. August des Jahres danke ich Ihnen.

Viele Auswanderer treffen meines Erachtens keine Entscheidung pro Auswanderung, sondern gegen die hiesigen Verhältnisse. Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind nicht optimal. Bürokratische Hemmnisse in der Wirtschafts-, Wissenschafts- und Bildungspolitik, finanzielle Engpässe, ideologische Barrieren und tarifrechtliche Verkrustungen erschweren Hochqualifizierten, Ingenieuren und Forschern ihre Arbeit und treiben Wissenschaftler in Länder, in denen sie besser und freier arbeiten können. Eine leistungsfähige und freie Forschung ist aber die Voraussetzung für eine innovationsfähige Gesellschaft, in der neue, marktfähige Produkte entstehen und hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden.

Um die Abwanderung Hochqualifizierter zu stoppen, muss der wissenschaftliche Nachwuchs, insbesondere Frauen, besser gefördert und in ihrer beruflichen Entwicklung spezifisch unterstützt werden. Barrieren, wie etwa ungenügende Kinderbetreuungsangebote zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, müssen durch konkrete Angebote abgebaut werden. Die FDP fordert einen bedarfsgerechten Ausbau qualitativ hochwertiger Betreuungsangebote für Kinder ab dem ersten Lebensjahr und die Schaffung flexibler Arbeitszeitmodelle.

Was wir brauchen sind gute private Rahmenbedingungen, damit Hochqualifizierte, für die die Sorge für Lebenspartner und Kinder ein wichtiges Wanderungskriterium ist, nicht darauf angewiesen sind, ihr Glück im Ausland zu suchen, obwohl sie vielleicht gerne in Deutschland bleiben würden. Die Steuerquote ist im Vergleich zu anderen Ländern in Deutschland zu hoch. Die FDP will einfache, niedrige und gerechte Steuern für mehr Netto vom Brutto und als Impuls für mehr Wachstum und Beschäftigung. Unser einfacher und verständlicher Stufentarif mit Grundfreibetrag (Steuersatz 0 Prozent) und den drei weiteren Stufen von 10, 25 und 35 Prozent senkt die Steuerbelastung und schafft den dringend benötigten finanziellen Spielraum für Bürger und Unternehmen. Für uns Liberale steht fest: Leistung muss sich wieder lohnen. Unsere wirtschaftspolitische Leitlinie ist die Soziale Marktwirtschaft. Die staatliche Ordnungspolitik setzt für die Soziale Marktwirtschaft die Rahmenbedingungen. Deren oberstes Ziel muss sein, dass Bürger und Unternehmen ihre produktiven Kräfte entfalten können.

In der Hoffnung, dass unsere liberalen Ansätze Ihre Zustimmung finden, würde ich mich über Ihre Unterstützung bei der bevorstehenden Bundestagswahl sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Heinrich L. Kolb
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Frage zum Thema Soziales
23.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Kolb,

Sie schreiben:
"Für uns Liberale steht fest: Leistung muss sich wieder lohnen. Unsere wirtschaftspolitische Leitlinie ist die Soziale Marktwirtschaft. Die staatliche Ordnungspolitik setzt für die Soziale Marktwirtschaft die Rahmenbedingungen. Deren oberstes Ziel muss sein, dass Bürger und Unternehmen ihre produktiven Kräfte entfalten können."

Wie stehen sie eigentlich dazu die Mitarbeiter in Kindergärten und Schulen leistungsgerecht zu bezahlen? Ich glaube so ein Erzieher in einer Kita verdient vielleicht nur 1200 netto im durchschnitt ... meiner Meinung nach ist deren Arbeit aber mindestens doppelt soviel wert!

Sind Sie nicht auch der Meinung dass man die Unternehmen mehr zur Kasse bitten müsste um Erziehung und Bildung finanzieren zu können, denn immerhin ist es doch vor allem das interesse der Unternehmen mit gut ausgebildeten Arbeitskräften Gewinne zu erwirtschaften!

Meine Frau ist gehörlos! 99% der Firmen bei denen sie sich bewirbt wollen natürlich ihre "produktiven Kräfte" nur mit den "leistungsfähigsten Mitarbeitern" entfalten. Dies ist auch heutzutage an den besonders hohen Arbeitslosenzahlen unter Behinderten zu sehen. Können Sie mir sagen aus welchen Gründen ein weniger leitungsfähiger Mensch die FDP wählen sollte? Was will denn die FDP tun um Behinderte in arbeit zu bringen?
Antwort von Dr. Heinrich L. Kolb
bisher keineEmpfehlungen
03.12.2009
Dr. Heinrich L. Kolb
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Zuschrift vom 23. September 2009. Bitte
entschuldigen Sie die späte Beantwortung Ihrer Fragen.

Ich selbst bin Vater von drei Kindern. Ich weiß, wie wichtig gute Rahmenbedingungen für Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern sind. Außerhalb der Familie gehört die Betreuung in Kindertageseinrichtungen zum Fundament unseres Bildungssystems. Wer der Bildung Priorität einräumt, muss dies deshalb auch in der frühkindlichen Bildung und deren Finanzierung tun. Die FDP will mittelfristig erreichen, über zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Bildung und Forschung zu investieren. In der Koalitionsvereinbarung haben wir vereinbart, 12 Mrd. Euro bis 2013 in die Hand zu nehmen, um damit den Anteil des Bundes daran zu leisten. Des Weiteren wird es darauf ankommen, die Rahmenbedingungen für die Länder, Kommunen und private Träger so zu verbessern, dass auch auf deren Seite zusätzliche Anstrengungen unternommen werden können, um dieses Ziel zu erreichen. Für konkrete Fragen zur Berliner Bildungspolitik wenden Sie sich bitte an die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Frau Mieke Senftleben.

Ihren Vorschlag, die Unternehmer stärker für die Finanzierung von Erziehung und Bildung aufkommen zu lassen, teile ich nicht. Bereits heute besteht mit dem steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschuss zur Kinderbetreuung (§ 3 Nr. 33 EStG) für Unternehmen die Möglichkeit, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung finanziell zu unterstützen. Worauf es jetzt entscheidend ankommt, ist Unternehmen zu entlasten statt sie finanziell weiter zu belasten. Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz werden wir dies zum 1. Januar 2010 auch umsetzen. Wir brauchen diese Entlastung, um Wirtschaftswachstum möglich zu machen und Arbeitsplätze zu sichern und neu zu schaffen.

Was Ihre letzte Frage anbetrifft, so gehört für die FDP die Möglichkeit zu arbeiten - idealerweise auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt - zu den Kernbereichen gesellschaftlicher Teilhabe. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung muss weiter Priorität haben. Gerade im mittelständischen Bereich müssen Anreize geschaffen werden, damit mehr behinderte Menschen eingestellt werden. Wir sehen vor allem die Integrationsfachdienste in der Pflicht, ihre Personalstrukturen dahingehend zu qualifizieren, dass sie ihre Instrumente zur beruflichen Eingliederung voll ausschöpfen. Ihre professionelle Beratung und Unterstützung ist insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen dringend notwendig. Bei allen gesetzgeberischen Maßnahmen mit dem Ziel von mehr Teilhabe behinderter Menschen gilt es sich bewusst zu machen, an wen sich die Regeln und Vorschriften richten. Gerade die Masse der Klein- und Mittelbetriebe, die 99,7 Prozent aller Betriebe in Deutschland ausmachen, kann die insgesamt immer größer werdende Zahl bürokratischer Regelungen nicht mehr erfassen, geschweige denn korrekt bewältigen. Deshalb gehören alle Sondervorschriften, die Menschen mit Behinderung eigentlich die Arbeit erleichtern sollen, vorurteilsfrei auf den Prüfstand. Es ist zu prüfen, ob diese Sondervorschriften behinderten Menschen die Annahme eines Arbeitsplatzes erleichtern oder eher erschweren. Was wir brauchen sind vielmehr individuelle Konzepte, die die berechtigten Interessen von Menschen mit Behinderung und denen der Arbeitgeber zusammenführen.

Ich hoffe, Ihre Fragen hinreichend beantwortet zu haben. Für Ihr Interesse danke ich Ihnen nochmals und wünsche Ihnen persönlich alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Heinrich L. Kolb
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Frage zum Thema Gesundheit
04.10.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Kolb,

ich danke für Ihre Antwort ( www.abgeordnetenwatch.de ).

Allerdings wird das Problem der fachärztlichen Versorgung auf dem flachen Land nicht durch Ansiedlung junger Fachärzte vor Ort zu lösen sein. Viele – vor allem chronisch erkrankte – Menschen müssen aber, je nach Erkrankung gelegentlich oder auch regelmäßig, eine fachärztliche Praxis aufsuchen.

Es besteht aktuell die konkret dargelegte Versorgungslücke. Das Problem ist wie beschrieben nicht sonderlich neu, aber dennoch akut.

Sie kündigen eine eingehende Diskussion an. Ich hoffe doch sehr, dass die FDP eine programmatische Vorstellung hat, ob und wie sie die notwendige medizinische Versorgung des erwerbslosen Teils der Bevölkerung sicherstellen will.

Meine Frage daher:

Welche Lösung werden sie konkret in der angekündigten Diskussion vertreten und was sollen Betroffene in der Zwischenzeit machen?

Mit freundlichen Grüßen


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