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Sehr geehrter Herr Dr. Kolb,
ich wende mich an sie, weil sie ein Fachsprecher der FDP für Arbeit sind.
Ich bin ein junger politisch-interessierter Mensch, der der FDP durchaus nahe steht, da ich viele Inhalte Ihrer Partei gut finde. Womit ich aber überhaupt nicht einverstanden bin, ist die Wirtschaftspolitik der FDP. Ich habe mittlerweile mehrere Infopakete Ihrer Partei sowie einen Teil der Wiesbadener Grundsätze gelesen. Im Bezug auf die Wirtschaft habe ich folgenden Eindruck bekommen:
1. Der Markt ist heilig
2. Der Markt hat immer Recht
3. Wenn der Markt mal doch mal falsch liegt, tritt Punkt 1 in Kraft.
Meine erste Frage: Trifft diese Einschätzung zu?
Die FDP ist ja immer für Privatisierung und gegen Verstaatlichung. Dann schauen sie sich bitte folgendes Beispiel an.
Die Wasserversorgung der bolivianischen Stadt Cochabamba war staatlich geregelt, bis sie privatisiert und an die Firma Augas del Tunari verkauft wurde, welche nichts anderes war als eine Tochtergesellschaft des US-Wasserkonzerns Bechtel. Bechtel hat nach der Privatisierung sofort die Preise verdreifacht und sogar Regenwasser besteuert, weil die damalige Regierung in Bolivien sämtliche Wasserrechte an Bechtel abgetreten hat!
Als die Menschen sich nicht mal mehr ihr eigenes Trinkwasser leisten konnten, gingen sie auf die Straße und demonstrieren für eine Rücknahme der Privatisierung; bei den Protesten kommen 7 Menschen ums Leben. Ein Jahr später verklagte Bechtel die Regierung Boliviens wegen 25 Mio. Dollar GEWINN (also nicht mal Umsatz!).
Quellen: Welt der Wunder Heft 09/2008 und
de.wikipedia.org
Meine zweite Frage: Wie stehen Sie und Ihre Partei zu einer solch unmenschlichen Form der Privatisierung und wie will die FDP dafür sorgen, dass so etwas ähnliches in Deutschland auch bei steigender Privatisierung nie möglich wird?
Ich erwarte dankend Ihre Antwort