Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Fragen. Ich ziehe zunächst mal die Fragen 1 und 2 zusammen, da sie sich gut verbinden lassen. Unser Ansatz ist, dass kein Kind zurückgelassen wird. Dieses ist der Gedanke gerade des finnischen Schulsystems. Dieses bedeutet beispielsweise, dass wir das Sitzenbleiben abschaffen, die Möglichkeit der Abschulung auf eine andere Schulform unterbinden und das Errichtungsverbot für neue Gesamtschulen aufheben. Auch werden wir die Durchlässigkeit des gegliederten Systems stärken und die Schulen zu einer besseren Kooperation schulformübergreifend bewegen. Diese Maßnahmen werden verhindern, dass Spätentwickler und langsamer lernende Kinder aussortiert und abgehängt werden. Wir setzen deswegen auf die individuelle Förderung, bei der das Kind im Mittelpunkt steht. Eine Förderung, für die bislang in Anbetracht riesiger Klassen und gehetzter Stunden- und Lehrpläne zu wenig Zeit bleibt.
Ziel muss es sein, Schülerinnen und Schüler zu den ihnen höchstmöglichen Leistungen und Schulabschlüssen zu führen. Alle Jugendlicher sollen die Schule mit einem Abschluss verlassen können und der Anteil der höherwertige Abschlüsse, insbesondere die Abiturquote, soll steigen. Um dieses Höchstmaß an individueller Förderung bei gleichzeitiger Hebung der Bildungsniveaus insgesamt zu erzielen, gehören mehrere Maßnahmen. Wir brauchen einen Ausbau der Ganztagsschulen und zwar sowohl im Primar- als auch im Sekundarbereich. Dabei muss es sich um echte Ganztagsschulen handeln, die einen anderen Rhythmus des Lernens ermöglichen. Zukunftsfähige Schulen brauchen außerdem eine größere Selbstständigkeit bei der Gestaltung des Unterrichts, beim Entwickeln eines pädagogischen Profils und der Auswahl von Personal. Die selbstständige Schule, wie sie die Landesregierung gegenwärtig umsetzt, hat an der Stelle von mehr Eigenverantwortung leider zu mehr Bürokratie geführt. Das werden wir ändern.
Wir finanzieren unsere Schulreformen teilweise durch Umschichtungen. Die durch die demografische Entwicklung frei werdenden Kapazitäten werden im System gelassen, was zur Folge hat, dass mehr Lehrkräfte für das individuelle Fördern bereit stehen. Wir setzen durch die Schulzeitverkürzung und den Wegfall des Sitzenbleibens weitere Ressourcen frei, die wir den Schulen nicht wegnehmen, die wir aber nutzen für qualitative Verbesserungen. So können wir etwa das bisher landesweit geltende starre Prinzip des so genannten Klassenteilers zugunsten flexibler Lösungen für die Einrichtung kleinerer Klassen aufheben.
Auch die flexible Eingangsstufe, die wir bis 2013 flächendeckend einführen werden, bei der die Kinder die beiden ersten Schuljahre in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen werden können, wird dann in Verbindung mit einer früheren Regeleinschulung sowohl den Förderbedarfen der Kinder ebenso gerecht werden wie es im Endeffekt kostenneutral für den Landeshaushalt ist bzw. die kommunalen Haushalte wahrscheinlich sogar entlasten wird, da Aufwendungen für die Kindergärten entfallen, die dann in eine entsprechende Ausstattung der Grundschulen investiert werden können.
Zur Frage der Lehrervergütungen haben wir in unserem Sofortprogramm festgeschrieben, dass wir als Ausgleich für die in der Vergangenheit erfolgten Kürzungen und zur Verbesserung der Motivation im Jahr 2008 eine Einmalzahlung in einem Volumen von 51 Mio. Euro vornehmen werden. Der mittelfristige Wiedereinstieg in die Sonderzahlungen wird im Lichte der Höhe der Steuerschätzungen geprüft. Hier sind wir aber guter Dinge, dass dieses möglich wird. Schließlich wird der Einstieg in eine erneuerte Lehramtsausbildung, bei der nach Stufen ausgebildet wird, eine Reform der Vergütungssysteme nebst Anreizen erforderlich machen.
Ich hoffe, Ihre umfänglichen Fragen beantwortet zu haben. Anderenfalls stehe ich Ihnen gerne für weitere Fragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Gabriele Andretta