Sehr geehrter Herr Dr.

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vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie stellen das hessische Wahlrecht richtig dar.
Jedoch haben Sie, wie ich denke, einen Aspekt übersehen: Gewinnen Wahlkreisvertreter, die weiter hinten auf einer Liste stehen (und somit als aussichtslos gelten) ihren Wahlkreis direkt, weil die jeweiligen Kandidaten sich das Vertrauen ihrer Wähler erarbeitet haben, so wird die Funktion der Liste eingeschränkt. Listenplätze werden prozentual nur soweit vergeben wie keine Direktmandaten erzielt wurden.
2 Beispiele:
2003 wurden bis auf zwei alle hessischen Wahlkreise von der CDU gewonnen (53). Die CDU hat im Augenblick 56 Abgeordnete. Über die Liste zogen überhaupt nur 3 Kandidaten ein. Im Grunde war somit schon Platz 4 kein sicherer Platz mehr.
Oder nehmen Sie bei der Wahl 2008 meinen Platz Nr. 30, den Sie als sicher bezeichnen. Ich gehe davon aus, dass bei der kommenden Wahl die SPD wieder mehr Wahlkreise gewinnen wird. Es ist ebenfalls davon auszugehen, dass die Kandidaten dieser Wahlkreise auf der Liste zum Teil hinter mehr stehen. Dem entsprechend könnte es sein, dass die Liste der SPD gar nicht bis zum Platz 30 greift.
Ich möchte den Wahlkreis 40 nicht aus "Eitelkeit" direkt gewinnen, sondern weil ich denke, dass ich viele gute Ideen für die künftige hessische Politik habe und die Interessen des Wahlkreises vertreten möchte. Deshalb sollten diejenigen Wähler, die sicher gehen wollen, dass ich dem nächsten hessischen Landtag angehören werde, mich mit ihrer Erststimme wählen.
Fazit:
Ich denke es geht bei den Wahlkreisstimmen weniger darum wer dem Landtag nicht angehören soll, sondern vielmehr darum, wer auf jeden Fall ins Parlament einziehen soll. Denn Listen sind nicht immer so sicher wie sie auf den ersten Blick scheinen.
Im übrigen habe ich keine Bedenken über Doppeltkandidaturen auf der Liste wie auch im Wahlkreis.
Parteien würden sonst aufgrund des oben dargestellen Zusammenhangs jegliches Instrumentarium aus der Hand geben, um im Ansätzen sicherzustellen, dass bestimmte Qualifitkationen oder Schwerpunkte in ihrer Fraktion vertreten sein werden.
Auch wenn mein Platz 30 nicht 100%ig sicher ist, für einen Neuling wie mich ist das dennoch ein guter Platz. Das kommt daher, dass meine Partei einerseits eine gesunde Altersmischung als wichtig empfindet... und andererseits denke ich, habe ich mir einen recht guten bildungspoltischen Ruf in den letzten Jahren erarbeitet.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Christoph Degen