Bodo Ramelow (DIE LINKE)
Kandidat Landtagswahl Thüringen 2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Bodo Ramelow
Jahrgang
1956
Berufliche Qualifikation
Einzelhandelskaufmann und Ausbilder
Ausgeübte Tätigkeit
MdB, Stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE
Wohnort
Erfurt
Wahlkreis
Erfurt III
Ergebnis
26,8%
Landeslistenplatz
1
(...) DIE LINKE Thüringen hat nie behauptet, zwischen Eisenach und Altenburg würden die niedrigsten Tariflöhne gezahlt, sondern die schlimmsten "Billig-" oder auch "Niedriglöhne" überhaupt. (...)
 
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Frage zum Thema Arbeit
25.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

Die Frage der Zukunft von Opel und seiner Mitarbeiter- auch die des Werkes in Eisenach- ist seit Monaten ungeklärt. Berichte in der Süddeutschen Zeitung ( www.sueddeutsche.de ) legen den Schluss nahe, dass GM eine Lösung aus finanziellen Interessen verschleppt. Weiter kündigen die Mitarbeiter von Opel an, mehr Druck auf GM ausüben zu wollen. Bisher hört man in den Medien leider nur über das Konzept der Bundesregierung, Opel mit Hilfe des Bieterkonsortiums Magna zu retten. Unterstützen sie und ihre Partei Die Linke dieses Konzept oder gibt es ihrer Meinung nach einen anderen Weg, Opel und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu retten. Was kann man da überhaupt von der Landesebene her machen?

Mit freundlichen Grüßen, .
Antwort von Bodo Ramelow
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26.08.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

In der aktuellen Situation, die die Beschäftigten von Opel-Eisenach weiter im Unklaren lässt, fordere ich ein entschiedeneres Vorgehen der Bundesregierung. Sie verhandelt gegenwärtig mit GM und der US-Regierung. Dabei muss sie nun stärkeren Druck ausüben. Die Opelaner brauchen nach Monaten des Hin-und-Her endlich eine sichere Perspektive für ihre Arbeitsplätze.

Opel-Eisenach im Stich zu lassen, wäre nicht nur sozial und wirtschaftlich unvernünftig. Die Region braucht die Arbeitsplätze. Zudem ist die dortige Technik und das bestehende Know-How außergewöhnlich gut.

Schon vor Monaten hätten im Opel-Poker Bund und Länder gemeinsam mit den Standorten und ihren Belegschaften, den Händlern und Zulieferern ein eigenständiges Kaufkonsortium bilden müssen, statt zwischen unverantwortlichem Insolvenz-Gerede und Warten auf Investoren hin und her zu schwanken.

Das GM-Management nimmt auf die hiesigen Arbeitsplätze wenig Rücksicht. Wer Opel eine wirkliche Zukunft geben will, muss gemeinsam mit europäischen Partnern und den Belegschaften einen europäischen Mobilitäts-Konzern entwickeln wollen und sich dafür als öffentliche Hand selbst engagieren. Lediglich Überbrückungskredite und Staatsbürgschafsversprechen für Investoren ohne jegliche Gegenleistungen machen Opel zum Spielball der GM-Konzerninteressen.

Lesen Sie hierzu bitte auch die aktuelle Presseerklärung der Partei DIE LINKE:
www.pressrelations.de

Mit freundlichen Grüßen,
Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Arbeit
25.08.2009
Von:

Hallo Herr Ramelow,

ich bin der Meinung, dass wir einen Mindestlohn brauchen, damit niemand mehr für einen Hungerlohn arbeiten muss. Ich frage mich allerdings, wie Menschen, die von Hartz IV leben, Dienstleistungen bezahlen sollen, die dann das doppelte kosten würden wie z.B. ein Haarschnitt. Es wäre schön, wenn Sie mir hierzu Ihre Ansicht mitteilen könnten.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Bodo Ramelow
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26.08.2009
Bodo Ramelow
Hallo Herr ,

schön, dass Sie ebenfalls der Meinung sind, dass wir in Deutschland und auch in Thüringen einen Mindestlohn brauchen. Der Mindestlohn soll garantieren, dass Menschen Regeleinkommen über der Pfändungsfreigrenze haben und wieder in die Sozialversicherungssysteme einzahlen können. Wenn damit das gesamte – in den letzten 15 Jahren extrem gesunkene – Lohnniveau wieder deutlich erhöht wird, können Menschen auch dann noch zum Frisör gehen. Für Hartz IV brauchen wir ohnehin eine andere Lösung: hier müssen die Regelsätze soweit angehoben werden, dass Menschen würdig leben können. Der Ausweg aus Harzt IV heißt: bezahlte Arbeit zu existenzsichernden Löhnen.

Mit freundlichen Grüßen

Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Arbeit
25.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

mich interessiert folgendes:
Österreich, Niederlande, Dänemark,Schweden, Norwegen, Finnland und Luxemburg sind Hochlohnländer mit Vollbeschäftigung. Warum ist das in Thüringen nicht möglich?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Bodo Ramelow
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27.08.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr ,
vielen Dank für Ihre interessante Frage.

Kann man auch die von Ihnen genannten Länder auch nicht alle über einen Kamm scheren und 1:1 mit Deutschland vergleichen, so belegen sie doch, dass gute Löhne und Vollbeschäftigung sich nicht grundsätzlich ausschließen.

Sie sollten Ihre Frage auch Herrn Althaus und der FPD stellen, die ja immer wieder behaupten, Billiglöhne wären der richtige Weg, um mehr Beschäftigung zu erzeugen, da sich Existenz sichernde Löhne und Vollbeschäftigung widersprechen würden.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang das Beispiel Schweden, da die Politik dort in vielen Punkten mit den Positionen der LINKEN übereinstimmt.

Die Skandinavier haben ein wesentlich solidarischeres Gesellschaftsmodell. Schon vor Jahren haben sie die richtigen Weichenstellungen gestellt, um allen Bürgern ein großes Maß an Teilhabe zu ermöglichen. So wurde von Stockholm aus der gesamte Bereich der Daseinsvorsorge ausgebaut und konsequent in Bildung, Umwelt und Tourismus investiert. In Schweden ist zudem die Arbeit gerechter und gleichmäßiger verteilt. Der durchschnittliche berufstätige Schwede kommt auf 1620 Arbeitsstunden im Jahr – die Arbeitnehmer aller anderen europäischen Staaten arbeiten mehr.

Mit freundlichen Grüßen,

Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Bildung und Kultur
26.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

die Hochschulen klagen über eine massive Unterfinanzierung. Mit immer weniger Mitteln muss eine ansteigende Zahl Studierender bewältigt werden.

Was werden sie tun, um die Hochschulen zu stärken? Insbesondere interessiert mich, ob sie sich auch für die Geisteswissenschaften einsetzen werden, die das Wegfallen staatlicher Gelder nur schwer verkraften, weil sie oftmals nicht an Drittmittel aus Wirtschaft und Gesellschaft herankommen?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Bodo Ramelow
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27.08.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Leider haben unsere Schulen und Hochschulen derzeit mit Personalknappheit und fehlenden Mitteln zu kämpfen. Die Fächer der philosophischen Fakultäten leiden zudem darunter, dass ihre Forschung weniger gut zu kommerziellen Zwecken verwendet werden kann. So finden sie nur schwer zusätzliche Geldgeber.

Weil Wissenschaften wie Geschichte und Philosophie zentral für eine umfassende Bildungskultur sind, spricht sich DIE LINKE explizit gegen den seit einigen Jahren zu verzeichnenden Abbau der Geisteswissenschaften aus. Auch dürfen wir es nicht zulassen, dass sich der Staat aus der Finanzierung weiter zurückzieht und Wissenschaftler am Ende von Unternehmerinteressen abhängen, anstatt unabhängig forschen zu können. Sie finden diese Position auf den Seiten 29-30 unseres Regierungsprogramms für Thüringen. www.die-linke-thueringen.de

Darüber hinaus fordern wir effiziente Maßnahmen und Programme, die die Attraktivität unserer Studienorte sichern. Auch darf unserer Auffassung nach nicht länger der Geldbeutel der Eltern entscheiden, ob Abiturienten ein Studium aufnehmen können oder nicht.

Konkret haben wir ein Konzept erarbeitet, dessen Bestandteile eine stärkere Förderung aller Fachrichtungen, ein neues Anreiz- und Stipendienprogramm für Studierende, ein klares Nein zu Studiengebühren, eine Stärkung der Studentenwerke durch Mittel aus dem Bundesprogramm "Soziale Stadt", ordentliche Arbeitsverträge für die Mitarbeiter der Universitäten sowie ein Bekenntnis zur universitären Selbstverwaltung sind.

Mit freundlichen Grüßen,

Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Gesundheit
28.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

immer wieder flammt die Diskussion um aktive und passive Sterbehilfe auf. Da ich selbst hin- und hergerissen bin zwischen dem Verständnis für todkranke Menschen und der Angst vor den gesellschaftlichen Auswirkungen einer Zulassung von aktiver Sterbehilfe, würde mich interessieren, wie Sie dazu stehen.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Bodo Ramelow
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01.09.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrte Frau ,

ich kann Ihr Hin- und Hergerisse-Sein sehr gut verstehen. Sie sprechen hier ein hoch belastetes Thema an, von dem auch ich finde, dass es nicht so pauschal beantwortet werden kann. Zum einen erinnert gerade die Beschäftigung mit der aktiven Sterbehilfe an die Euthanasiepolitik der Nazis, zum anderen kämpfen immer wieder Schwerstkranke um das Recht, ihrem unerträglichen Leiden selbstbestimmt ein Ende bereiten und dabei Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen, ohne die sie nicht in der Lage wären, diesen Schritt zu gehen. Gerade bei der Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik und Gentechnik haben wir im Bundestag die Auseinandersetzung quer durch die Fraktionen (auch durch meine) erlebt, wie die Angst von Menschen mit Behinderungen, wieder als "unwertes Leben" aussortiert zu werden mit dem Anliegen genetisch belasteter Eltern rang, ein gesundes Kind auf die Welt bringen zu dürfen.

Neben den jeweils persönlichen Interessen liegen solchen Entscheidungen auch immer grundsätzliche ethische und gesellschaftspolitische Entscheidungen zu Grunde: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Wie gehen wir mit den Menschen um, die nicht den Verwertungskriterien einer durch ökonomisierten Gesellschaft entsprechen?

Bevor ich mich zu aktiver oder passiver Sterbehilfe äußern kann, müssen wir uns dem Umgang mit schwerkranken, mit alten und gebrechlichen Menschen, mit Tod und Sterben in unserer Gesellschaft zuwenden.
Die Zeiten, in denen Tod und Sterben ein natürlicher Teil des Lebens waren, allseits präsent, konkret gefürchtet, aber nicht als Thema aus dem Bewusstsein der Menschen verbannt, sind lange vorbei. Das hat - zusammen mit der kapitalistischen Verwertungslogik - dazu geführt, dass wir uns meist als hilflos erweisen, wenn wir mit todkranken Menschen konfrontiert sind. Die Tabuisierung von Tod und Sterben hat auch dazu geführt, dass der Umgang mit sterbenskranken Menschen sehr zu wünschen übrig lässt. Wenn wir uns die Zustände in den Altenheimen ansehen, sehen, mit wie wenig Personal Menschen gepflegt werden müssen, die sich nicht mehr selbst helfen können, wenn wir die Pflegeversicherungsdiskussion verfolgen, in der es meist um Kosten und Zahlen, aber nicht um die Würde der Menschen geht, müssen wir erst einmal über den Umgang mit alten und sterbenden Menschen reden und große Anstrengungen unternehmen, um ihre Situation zu verbessern.

Ich stehe für ein würdiges Leben im Alter und bei schwersten Krankheiten und Behinderungen, auch und gerade dann, wenn es von anderen abhängig ist und mit hohen Betreuungs- und Sachkosten verbunden ist. Wir müssen die Palliativmedizin stärken, um sterbenden Menschen unnötige Schmerzen zu ersparen. Wir brauchen den Ausbau von Palliativstationen und Hospizen, um Sterbende würdevoll in den Tod zu begleiten. Wir müssen Angehörige besser unterstützen, wenn sterbende Menschen ihren Tod zu Hause erwarten wollen. Und wir müssen das Thema Tod und Sterben enttabuisieren und uns damit auseinandersetzen, wie unser aller Lebensende aussehen soll, was die Gesellschaft leisten muss, um die Würde auch von gebrechlichen Menschen zu schützen.

Diese Diskussion ist mehr als überfällig und würde die Frage nach Sterbehilfe sicher in den Hintergrund schieben. Wer keine Angst davor haben muss, im Falle eines schweren Unfalles oder als alter Mensch unerträgliche Schmerzen erleiden oder unwürdig vor sich hinsiechen zu müssen, sehnt sich vielleicht weniger danach, beim Sterben geholfen zu bekommen. Würdevolles Leben und würdevolles Sterben gehören für mich untrennbar zusammen.

Mit freundlichen Grüßen
Bodo Ramelow
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