Anna Lührmann (GRÜNE)
Kandidatin Bundestagswahl 2005
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Anna Lührmann
Jahrgang
1983
Berufliche Qualifikation
Studentin
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
-
Wahlkreis
Main-Taunus
Ergebnis
7,6%
Landeslistenplatz
3, Hessen
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www.anna-luehrmann.de
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Frage zum Thema Arbeit
13.09.2005
Von:

Hallo Anna,

ich habe bei der letzten Bundestagswahl mit Überzeugung Grün gewählt fühle mich jedoch ein wenig enttäuscht. Zu folgenden Themen die meine Wahlentscheidung durchaus beeinflussen habe ich folgende Fragen:

Arbeitslosigkeit
Das dieses Thema sehr komplex ist einige Detailierte Fragen. In Deinem Profil steht
"Frische Ideen für neue Jobs und niedrigere Lohnnebenkosten! " Wie sehen diese aus. M.E. wurden zwar notwendige Schritte durch Hartz IV übernommen aber diese eher auf dem Gebiet der Kosten. Wo sind die frischen Ideen um Arbeitslose in den Job zu bringen? Die staatliche Bundesagentur für Arbeit ist doch hoffnungslos überfordert. Private "Agenturen" arbeiten da durchaus erfolgreicher. Problem ist jedoch, diese sind teuer und wenn man Arbeitslos ist hat man i.d.R. nicht das Geld dazu diese zu bezahlen. Wäre dies nicht mal ein Antritt um denjenigen zu helfen die wirklich zurück in den Job wollen? Dort werden auch Bewerbertraining etc.. angeboten. Ich habe einen sehr guten Job mit super Bezahlung aber wenn ich mir mein Umfeld anschaue bekomme ich es manchmal mit der Angst zu tun wieviele qualifizierte Bewerber arbeitslos sind und keinen Job finden, wo es manchmal nur daran liegt, dass sie aufgrund der Persönlichkeit Schwierigkeiten haben sich entsprechend zu verkaufen? Was sind Deine "frischen" Ideen?

w/ Lohnzusatzkosten. Es gibt durchaus schlüssige Erhebungen u.a. durch die Böckler Stiftung, dass eine Senkung der Lohnzusatzkosten nur bedingt Arbeitsplätze schafft. Was ist Deine Meinung und wie wird sich eine "hoffentlich" Rot-Grüne Regierung in Zukunft hierzu positionieren?

w/ Ausbildungsplätzen. Ich bin über dieses Thema wirklich schockiert. Am Frankfurter Bankenmarkt schrumpfen die Ausbildungsplätze extrem. Ausbildungsquoten von 1% sind keine Seltenheit mehr. Ist es nicht Augenwischerei zu sagen, dass der Ausbildungspakt ein Erfolg war? Ist es jungen Leuten wirklich zuzumuten den Berufseinstieg mit einem Förderprogramm zu starten?
Antwort von Anna Lührmann
bisher keineEmpfehlungen
15.09.2005
Anna Lührmann
Lieber ,

vielen Dank für Deine recht umfangreiche Anfrage zu diversen Themen. Ich habe Dir zu jedem Thema geantwortet.

/zur BA:/

Wir haben mit Hartz III einen grundlegenden Umbau der BA eingeleitet. Dieser Umbau ist noch nicht abgeschlossen. Vielerorts ist die BA aber immer noch zu unflexibel und zu sehr "Behörde". Dort wo die Umstrukturierung bereits implementiert zeigen sich jedoch erste positive Ergebnisse. Jeder Arbeitslose mit Anspruch auf Arbeitslosengeld hat einen Rechtsanspruch auf einen Vermittlungsgutschein, den er bei einem privaten Vermittler einlösen kann. Private Vermittlung ist somit keine Sache des Geldbeutels. Allerdings sind die ersten Erfahrungen mit dem Vermittlungsgutschein ambivalent. Insbesondere schwer Vermittelbare wie gering qualifizierte Arbeitslose sind für private Vermittler oftmals nicht lukrativ, da es auch Privaten nicht leicht fällt diesen Menschen eine Arbeitsstelle zu besorgen. Aufgrund des Kosten-Nutzen Kalküls konzentrieren sich die meisten privaten Vermittler lieber auf Leichtvermittelbare. Die Evaluierungsphase des Vermittlungsgutscheines läuft noch. Wenn die Ergebnisse vorliegen werden wir die entsprechenden Schlüsse ziehen. Es deutet sich jedoch an, dass private Vermittler allenfalls eine Ergänzung zur BA darstellen können.

/Zur Arbeitslosigkeit:/

Frische Ideen für mehr Beschäftigung sind u.a.

*1. Neue Jobs durch Senkung der Lohnnebenkosten für kleine Einkommen***

*2. Neue Jobs durch Investitionen in Bildung und Forschung***

*3. Neue Jobs durch Ausbau der Kinderbetreuung***

*4. Neue Jobs durch die Ökologische Modernisierung***

*5. Neue Jobs durch die Erhöhung der Materialeffizienz***

*6. Neue Jobs durch Stärkung der kommunalen Investitionen und Altbausanierung***

*7. Neue Jobs durch flexible Arbeitszeiten***

*8. Neue Jobs durch Wachstumskerne im Osten***

*9. Neue Jobs durch Förderung von Existenzgründung und
Mittelstandsförderung***

*10. Neue Jobs durch Innovationsförderung***

genauere Infos dazu findest Du unter:

www.gruene-bundestag.de


/Zu den Lohnzusatzkosten:/

Die Erhebungen, auf die ich mich beziehe, belegen durchaus, dass eine Senkung der Lohnnebenkosten Beschäftigungseffekte mit sich trägt.

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit (IAB) hat verschiedene Studien vorgelegt, die die Wirkung niedriger Lohnnebenkosten auf die Beschäftigung berechnen. Dazu werden volkswirtschaftliche Simulationsmodelle verwendet.

Im Kurzbericht 7/2004 wird berechnet, wie die Beschäftigung in Deutschland sich entwickelt hätte, wenn die Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, also Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Strukturanpassungsmaßnahmen und die Förderung der beruflichen Weiterbildung von 1992-2002 vollständig aus dem Bundeshaushalt finanziert worden wären, und die Lohnnebenkosten entsprechend um 1,2 Prozentpunkte niedriger gewesen wären. Die Mehrbelastung für den Bundeshaushalt hätte bei 7,6 Mrd. Euro gelegen. Bei Kreditfinanzierung hätte die Beschäftigung um 105.000 bis 141.000 höher gelegen, bei Finanzierung durch höhere Einkommens- und Körperschaftssteuern über einen Erhöhung des Solidaritätszuschlages hätte die Beschäftigung zwischen 33.000 und 47.000 höher gelegen.

www.iab.de

Im Kurzbericht 15/2003 wird die Wirkung eines Freibetrages von 200-300 Euro bei den Lohnnebenkosten für die Beschäftigung berechnet, der deutlich höhere Wirkungen hätte. 150.000-600.000 Arbeitsplätze könnten entstehen.

Ähnliche Effekte hätte die Einführung des Progressivmodells, bei dem die Prozentpunkte der zu entrichtenden Sozialversicherungsbeiträge mit zunehmendem Einkommen ansteigen - wie die Einkommenssteuer.

www.iab.de


/Zum Ausbildungspakt und den Ausbildungsplätzen:/

Das Ziel des Paktes sind 30.000 neue Ausbildungsplätze. Das ist keine willkürlich gegriffene Zahl. In den letzten Jahren standen immer rund 30.000 Jugendliche zum Beginn des Ausbildungsjahres ohne Ausbildungsplatz und ohne Alternative auf der Straße. Für die sollte die Wirtschaft neue Angebote machen. Keine staatlichen Auffangmaßnahmen, sondern betriebliche Ausbildungsplätze waren das Ziel.

Stattdessen ist die Lücke nun noch größer geworden, die Wirtschaft hat ein Zehntel weniger Ausbildungsplätze als im letzten Jahr angeboten. Ergebnis: Noch mehr Jugendliche haben keinen Ausbildungsplatz. Das ist ein alarmierendes Signal. Wir erwarten von der Wirtschaft, dass sie ihre Zusagen aus dem Ausbildungspakt einhält und allen suchenden Jugendlichen einen Ausbildungsplatz anbietet.

Dazu müssen vor allem aber die großen Unternehmen und Konzerne mehr Einfallsreichtum und Engagement zeigen. Die Bundesregierung hat schon einiges getan: mit den Ausbildungsplatzentwicklern unterstützen wir z.B. die überbetriebliche Ausbildung, damit kleine Betriebe Ausbildung im Verbund mit anderen anbieten können. Deren Ausbildungsquoten sind aber ohnehin schon gut. Vielmehr müssen die großen Unternehmen mehr ausbilden. Es ist kein Zufall, dass es keine Angaben der DAX-Unternehmen über ihre Ausbildungsquoten gibt. Es wären wahrscheinlich Armutszeugnisse.

Wir erinnern die Unternehmen an ihre Zusagen im Ausbildungspakt. Falls diese freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft weiterhin nicht zu den notwendigen Ausbildungsplätzen führen, werden wir Umlagesysteme einführen müssen.



/Zur Weiterbildung:/

Angesichts der ökonomischen Herausforderungen des demografischen Wandels und der gesellschaftlichen Veränderungen brauchen wir eine aktive Politik für lebensbegleitendes Lernen. Weiterbildung muss endlich zu einer neuen Säule unseres Bildungswesens werden.

Das Nachholen von Schul-, Hochschul- und Berufsbildungsabschlüssen ist durch ein einkommens- und vermögensabhängiges System von Zuschüssen und Darlehen zu fördern. Die Aus- und Weiterbildung in den Regionen wollen wir mit einer Stiftung für betriebliche Bildung unterstützen

Außerdem unterstützen wir die Ansätze zu einer tarifvertraglichen Regelung von beruflicher Weiterbildung und wollen diese weiter ausgebaut sehen.



/Zur Grünen Jugend/

Ich kenne das Problem, dass in vielen Jugendverbänden die Strukturen schon ziemlich festgefahren sind. Davon ist die Grüne Jugend nicht ausgenommen. Daher haben wir als ich Sprecherin der GJ Hessen war versucht mehr auf Projektarbeit zu setzen, damit jeder seine Ideen verwirklichen kann. Um welchen Orts/Landesverband geht es denn bei dir? Ich habe bei den meisten schon den Eindruck, dass die das bei der Grünen Jugend ähnlich sehen wie ich und versuchen neue Leute einzubinden und zu motivieren.//



Ich hoffe, diese Antwort trägt mit dazu bei, dass du mich sowohl mit der Erst- als auch Zweitstimme wählst. Das würde mich freuen!

Beste Grüsse

Anna Lührmann
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Frage zum Thema Arbeit
13.09.2005
Von:

Fortsetzung:

w/ Weiterbildung u. Studienkosten. Ich finde die derzeit geführte Diskussion zu einseitig. Es wird nur über das Erststudium diskutiert, was ist mit den Leuten die die Motivation aufbringen und um den Job zu sichern sich Weiterbilden? Natürlich verdienen sie schon Geld aber nebenberuflichen Studien kosten jede Menge Zeit und auch teilweise viel Geld. Eine Unterstützung durch die Arbeitgeber ist nur in wenigen Fällen gewährleistet. Sollte man diese nicht auch unterstützen durch z.B. Zinslose Darlehen? Die meist angeboten Unterstützungswerke oder "Stiftungen" haben Verzinsungen die höher sind als bei Banken. Sollte man nicht überlegen ob es sinnvoll ist nicht nur an die Arbeitslosen sondern auch mal daran zu denken, Arbeitslosigkeit zu verhindern? Wie stehst Du dazu?

Ich bin sehr Politikinterssiert und auch durchaus willig mich zu engagieren u.a. habe ich es auch bei den Jugen Gründen versucht nur stelle ich fest das die Struktur sehr steif ist vorgefertigte Meinungen exisiteren und frische Ideen nicht wirklich willkommen sind. Wie siehst Du das?

Zum Schluss viel Glück für den Sonntag und ich finde es klasse jemandem in meinem Alter im Bundestag zu sehen. Ich hoffe es bleibt so!
Antwort von Anna Lührmann
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16.09.2005
Anna Lührmann
/Zur Weiterbildung:/

Angesichts der ökonomischen Herausforderungen des demografischen Wandels
und der gesellschaftlichen Veränderungen brauchen wir eine aktive
Politik für lebensbegleitendes Lernen. Weiterbildung muss endlich zu
einer neuen Säule unseres Bildungswesens werden.

Das Nachholen von Schul-, Hochschul- und Berufsbildungsabschlüssen ist
durch ein einkommens- und vermögensabhängiges System von Zuschüssen und
Darlehen zu fördern. Die Aus- und Weiterbildung in den Regionen wollen
wir mit einer Stiftung für betriebliche Bildung unterstützen

Außerdem unterstützen wir die Ansätze zu einer tarifvertraglichen
Regelung von beruflicher Weiterbildung und wollen diese weiter ausgebaut
sehen.



/Zur Grünen Jugend/

Ich kenne das Problem, dass in vielen Jugendverbänden die Strukturen
schon ziemlich festgefahren sind. Davon ist die Grüne Jugend nicht
ausgenommen. Daher haben wir als ich Sprecherin der GJ Hessen war
versucht mehr auf Projektarbeit zu setzen, damit jeder seine Ideen
verwirklichen kann. Um welchen Orts/Landesverband geht es denn bei dir?
Ich habe bei den meisten schon den Eindruck, dass die das bei der Grünen
Jugend ähnlich sehen wie ich und versuchen neue Leute einzubinden und zu
motivieren.//



Ich hoffe, diese Antwort trägt mit dazu bei, dass du mich sowohl mit der
Erst- als auch Zweitstimme wählst. Das würde mich freuen!

Beste Grüsse

Anna Lührmann
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Frage zum Thema Verkehr
13.09.2005
Von:

Liebe Anna Lührmann,

wie sie wahrscheinlcih bereits schon wissen, herrscht in Königstein ein gewaltiges Verkehrchaos.
Was sind diesbezüglich Ihre Ziele/Vorschläge, um diesem Problem ein Ende zu setzen.
Wird die Idee mit der Umgehungsstraße bald in Anspruch genommen, und wann zeigen sich erste Ergebnisse?
Antwort von Anna Lührmann
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16.09.2005
Anna Lührmann
Liebe/r ,

die Verkehrssituation in und um Königstein ist natürlich alles andere als zufriedenstellend, daher kann ich Ihr Anliegen gut nachvollziehen. Dennoch engagiere ich mich gegen den Bau der B8-Trasse, und zwar aus folgenden Gründen:

Die Umweltverträglichkeitsstudie vom Juni 2005 hat ergeben, dass die geplante Verkehrsentlastung in Königstein in Teilbereichen gar nicht statt finden würde, teilweise müsste sogar mit mehr Autos insbesondere in Schneidhain und am Ölmühlweg gerechnet werden.

Es wurde ebenfalls nachgewiesen, dass in Königstein durch den Bau der B8 sogar mehr Menschen belastet würden als zuvor. Demnach betrüge die tatsächliche Entlastung durch den Bau der Straße nur einen Bruchteil des erhofften Effekts - so wenig, dass nach den geltenden Bestimmungen nicht einmal die Bezeichnung "Entlastungsstraße" zutrifft.

Zusätzlich ist mir bekannt, dass die weiter fortschreitende Versiegelung der Naturflächen in der Rhein-Main-Region ein weitreichendes ökologisches Problem darstellt. Bei der betroffenen Fläche handelt es sich um ein ökologisch wertvolles Gebiet, das nicht nur wichtig für die Naherholung und damit für die Lebensqualität der Königsteiner ist; auch eine Schädigung des Tourismusstandorts Königsteins wäre zu erwarten. Dies sind die wichtigsten Gründe, welche mich dazu veranlasst haben, das Engagement gegen den Bau der B8-Trasse aufzunehmen.

Zur Verkehrsentlastung des Königsteiner Kreisels hat beispielsweise der BUND Königstein/Glashütten vorort.bund.net alternative Konzepte vorgelegt, die etwa einen Umbau des Kreisels sowie ein LKW-Durchfahrtsverbot vorsehen und damit die Entlastung der Region mit dem Erhalt des Naherholungsgebiets kombinieren.

Dies erscheint mir in Anbetracht der weit reichenden ökologischen Folgen des Baus der B8-Trasse ein sinnvoller und schonender Ansatz.

Mit freundlichen Grüßen

Anna Lührmann
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