Anna Lührmann (GRÜNE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Anna Lührmann
Jahrgang
1983
Berufliche Qualifikation
Studentin der Politik und Organisation (BA)
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Main-Taunus
Landeslistenplatz
3, über Liste eingezogen, Hessen
weitere Profile
(...) Neben meiner Tätigkeit als MdB studiere ich noch an der FernUni Hagen Politik und Organisation. Da es sich um ein sehr flexibles Teilzeitstudium handelt, ist es mir möglich dieses mit meiner politischen Arbeit zu verbinden. So kann ich mir noch ein zweites Standbein aufbauen und sichere mir meine persönliche Unhabhängigkeit. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
03.07.2009
Bundestagswahlrecht
JA
02.07.2009
AWACS-Einsatz in Afghanistan
JA
18.06.2009
Internetsperren
NEIN
18.06.2009
Patientenverfügung (Stünker-Antrag)
JA
29.05.2009
Schuldenbremse
NEIN
28.05.2009
Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige
nicht beteiligt
28.05.2009
Verlängerung Kosovo-Einsatz
JA
13.05.2009
Anbauverbot von Genmais
nicht beteiligt
13.05.2009
Beratungspflicht bei Spätabtreibungen
NEIN
20.03.2009
Enteignung von Banken
enthalten
22.01.2009
Mindestarbeitsbedingungen
enthalten
22.01.2009
Mindestlohn für sechs weitere Branchen
enthalten
19.12.2008
Kampf gegen Piraten
nicht beteiligt
04.12.2008
Familienleistungsgesetz
JA
28.11.2008
Haushalt 2009
NEIN
26.11.2008
Erbschaftssteuerreform
NEIN
13.11.2008
Verlängerung des Anti-Terror-Einsatzes (OEF)
NEIN
12.11.2008
BKA-Gesetz
NEIN
17.10.2008
Banken-Rettungspaket
NEIN
16.10.2008
Verlängerung Afghanistan-Einsatz (ISAF)
JA
25.09.2008
Rückkehr zur alten Pendlerpauschale
nicht beteiligt
17.09.2008
Fortsetzung des Darfur-Einsatzes
JA
17.09.2008
Verlängerung Libanon-Einsatz
JA
05.06.2008
Verlängerung Kosovo-Einsatz
JA
30.05.2008
Bahnprivatisierung
NEIN
24.04.2008
EU-Vertrag von Lissabon
JA
06.02.2008
Änderung des Stammzellgesetzes
NEIN
14.12.2007
Postmindestlohn
JA
16.11.2007
Diätenerhöhung
NEIN
15.11.2007
Verlängerung des Anti-Terror-Einsatzes (OEF)
NEIN
09.11.2007
Vorratsdatenspeicherung
NEIN
12.10.2007
Verlängerung Afghanistan-Einsatz (ISAF, Tornado)
JA
12.09.2007
Verlängerung Libanon-Einsatz
JA
22.06.2007
Emissionshandel
nicht beteiligt
21.06.2007
Verlängerung Kosovo-Einsatz
JA
14.06.2007
Aufenthalts- und Asylrecht
NEIN
14.06.2007
Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes in Darfur
JA
14.06.2007
Mindestlöhne (Antrag Die Linke.)
JA
25.05.2007
Unternehmenssteuerreform
NEIN
09.03.2007
Rente mit 67
NEIN
09.03.2007
Tornado-Einsatz
JA
02.02.2007
Gesundheitsreform
NEIN
10.11.2006
Verlängerung des Anti-Terror-Einsatzes (OEF)
enthalten
26.10.2006
EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens
JA
28.09.2006
Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes (ISAF)
JA
30.06.2006
Föderalismusreform
NEIN
29.06.2006
Antidiskriminierungsgesetz
JA
01.06.2006
Anpassung u. Veränderung von Hartz IV
NEIN
01.06.2006
Bundeswehreinsatz im Kongo
JA
19.05.2006
Erhöhung der Mehrwertsteuer
NEIN
Fragen an Anna Lührmann
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Umwelt
12.01.2009
Von:

Wir haben zur Zeit einen strengen Winter und nahezu Windstille.
Dies ist für diese Jahreszeit keineswegs ungewöhnlich. Wie wollen Sie ohne Atomstrom und ohne Kohle, allein mit erneuerbaren Energien den Bürgern sein warmes Zimmer erhalten?
Antwort von Anna Lührmann
9Empfehlungen
04.02.2009
Anna Lührmann
Sehr geehrter Herr Rösch,

Vielen Dank für Ihre Frage bei abgeordnetenwatch.de, auf die ich Ihnen heute antworten möchte. Sie haben mich gefragt, inwiefern eine ausschließlich auf erneuerbare Energien basierende Energieversorgung funktionieren kann, zumal dann, wenn es sich um Energiequellen handelt, die von wechselnden Klimabedingungen wie Sonneneinstrahlung und Windstärke abhängig sind.

Hierzu ist es zunächst wichtig zu wissen, dass nur die wenigsten Wohnungen mit Strom beheizt werden, die allermeisten dagegen mit Gas, Öl, Fern- und Nahwärme. Bündnis 90/DIE GRÜNEN wollen hier verstärkt auf Kraftwärmekopplung setzen, die nicht nur wärmt, sondern zugleich Strom erzeugt und daher sowohl einen hohen Wirkungsgrad garantiert als auch umweltfreundlich mit Erd- oder Biogas betrieben werden kann.

Zudem haben wir hinsichtlich des Stroms lediglich den Atomausstieg beschlossen. Bis voraussichtlich 2023 wird es aber noch Reststrom aus Atomkraftwerken geben. Zusätzlich wollen wir aus der Kohleverstromung nicht ad hoc aussteigen, sondern lediglich keine neuen Kohlekraftwerk mehr bauen. Im Grünen Energiekonzept sind 2020 noch 50% der Stromerzeugung aus teils heute bereits bestehenden Kraftwerken auf Kohle- und Gasbasis enthalten. Von einer umgehenden Abschaltung von Kohle- und Atomkraft kann also keine Rede sein.

Nichts desto weniger setzen Bündnis 90/DIE GRÜNEN auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien als die auf Dauer entscheidenden Energieträger. Wind und Sonne sind in der Tat schwankende Quellen, die unterschiedlich viel bzw. wenig Strom liefern. Verbindet man sie aber großräumig mit einem leistungsfähigen Stromnetz, können regionale Defizite durch Überschüsse an anderen Regionen ausgeglichen werden. Darüber hinaus müssen regenerative Energieträger wie Wind- und Sonnenkraft mit anderen, gleichsam immer vorhandenen erneuerbaren Stromquellen wie z. B. Biomasse, Wasserkraft oder Erdwärme kombiniert werden.

Insgesamt folgt daraus, dass Bündnis 90/DIE GRÜNEN Stück für Stück aus der Atomenergie aussteigen, alte Kohlekraftwerke nach und nach auslaufen lassen und zugleich ein breites Spektrum an erneuerbaren Energien ausbauen wollen. Dazu benötigen wir ein leistungsfähiges Netz, das mittels moderner Speicher und leistungsfähiger Übertragung regionale Stromdefizite ausgleicht. Völlig klar ist, dass dies nicht von heute auf morgen umsetzbar ist; eine Realisierung dürfte nicht vor 2030 möglich sein. Der Grundstein dafür muss aber heute gelegt werden. Das wollen wir angehen.

Mit den besten Grüßen,
Anna Lührmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
05.03.2009
Von:

sehr geehrte fr. lührmann!
in der vorigen woche wurde in verschiedenen zeitungen berichtet, daß der CDU-nahe verwaltungsrat im ZDF eine vertragsverlängerung von n. brender behindern wolle. was hat denn die unbill von h. koch und seine getreuen erregt? spazierte h.brender mit einem roten plakat um den hals auf dem stand: " kampf den schwarzen titanen" rund um den mainzer lerchenberg?nein, er ist einfach ein unabhängiger journalist, der sich für einen freien journalismus einsetzt. erfreulicherweise hat er h. kleber und viele unparteiliche kollegen auf seiner seite.
die bürger brauchen, aufklärerische, ehrliche journalisten und auch natürlich politiker. da gibt es bereits in der tagesschau sport in ganzer breite, und danach sorgt die " weiße hochzeitskutsche vom titi - see" dafür, daß der zuschauer sanft zum himmlischen dream dealer geleitet wird, und sendungen wie monitor, frontal, panorama u.a. werden verschoben, gekürzt oder fallen einfach ganz aus.
dieses ärgerliche ereignis hat jedoch auch einen positiven aspekt, für den bürger wird erkennbar, daß sich die etablierten parteien gerne dieser kontrollinstanzen bedienen, um dort " ihre leute " unterzubringen, so z.b. die bundesverfassungsgerichte, die rechnungshöfe, wichtige ämter und wie jetzt erlebt, die fernsehanstalten. somit geschieht in deutschland eine wandlung vom volkssouverän zum parteiensouverän, aber immerhin können die bürger die blauen " kummerkästen" in den rathäusern benutzen. von den grünen hört man eigentlich weniger von dieser medienklüngelei, deshalb meine frage an sie , sehr geehrte frau lührmann: werden sie und ihre partei diese einflußnahme der parteien in den kontrollinstanzen wie gerichte, rechnungshöfe, fernsehanstalten u. a. befürworten?
Antwort von Anna Lührmann
7Empfehlungen
18.03.2009
Anna Lührmann
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für ihre Mail. Für mich und meine Partei ist die Staatsferne des öffentlichen Rundfunks ein hohes Gut. Aus diesem Grund sehen wir den Verlauf und Gestalt der Debatte um die Vertragsverlängerung des ZDF-Chefredakteurs Brender äußerst kritisch. Insbesondere die Art und Weise in der Roland Koch die Diskussion führt ist unserer Ansicht nach nicht tragbar.
Ohne sich darum zu scheren, welchen Schaden er dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zufügt, mobbt er offen gegen Brender. Merkels Rückendeckung zeigt, wie die CDU zur Unabhängigkeit der Medien steht. Für Bündnis 90/ Die Grünen ist klar: Das ZDF darf nicht zum Opfer von Parteipolitik werden. Unabhängige und kritische JournalistInnen sind wichtig, um freie Informationen für alle zu gewährleisten.

Schon im letzten Frühjahr haben wir Grüne in einem Beschluss des Länderrates dazu aufgerufen, die Besetzung von Rundfunkräten neu zu regeln. Mitglieder der Exekutive sollten nicht mehr in Rundfunk-, Fernseh- und Aufsichtsräten sitzen, um die viel gepriesene Staatsferne wirklich zu gewährleisten. Jetzt wird sichtbar, wohin es führt, wenn dies nicht geschieht.

Unser Beschluss finden zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk finden sie unter www.g-staffelt.de

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin,

Anna Lührmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Wirtschaft
24.04.2009
Von:
D.

Alle Parteien, besonders SPD, CDU/CSU, FDP und sogar die Linke überbieten sich momentan mit "Wirtschaftskonzepten". Von der Partei der Grünen habe ich hierzu noch nichts gehört. Haben die Grünen ein Konzept oder Gedanken zur Bekämpfung/Eindämmung der derzeitigen Wirtschaftskriese, und wenn ja, wie sieht dieses Konzept aus? Welche Maßnahmen wollen die Grünen ergreifen, um Deutschland aus dieser Kriese herauszuführen?
Antwort von Anna Lührmann
3Empfehlungen
14.07.2009
Anna Lührmann
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Nachfrage und Ihr Interesse an Grünen Lösungsvorschlägen zur Bewältigung der aktuellen Finanzmarktkrise.

Was mit dem Zusammenbruch der US-Märkte für Immobilienkredite im Sommer 2007 begann, hat sich längst zu einer Weltwirtschaftskrise ausgewachsen. Wir Grüne wollen diese Krise schnell beenden - viel wichtiger sind aber neue Regeln, damit sich so eine Krise nicht wiederholt. Weltweit muss sich in der Art des Wirtschaftens etwas ändern: Unternehmen, Regierungen und VerbraucherInnen müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Wir wollen weg vom kurzfristigen Denken und Handeln - und setzen auf ein langfristig orientiertes Wirtschaftssystem.
Wir erleben gegenwärtig die Renaissance der Politik. Jetzt können wir grundsätzlich über unsere Art zu Wirtschaften nachdenken - und wir haben die Chance für bessere Regeln auf dem Finanzmarkt. Denn für Grüne ist - anders als für FDP und Union - klar: Ein Zurück zum Zustand vor der Krise darf es nicht geben. Denn Umweltzerstörung, kurzfristiges Profitstreben und die schlechte Politik der Regierungen weltweit - vor allem bei der Finanzmarktregulierung - haben uns in dieses Desaster geführt. Grüne Politik steht für eine Abkehr von den grundsätzlichen Fehlern unseres Wirtschaftssystems mit Intransparenz, Verantwortungslosigkeit und grenzenlosem Profitstreben.

Niemand soll sagen, die Politik sei für das aktuelle Desaster nicht verantwortlich. Es war falsche Politik, die ein Überdrehen der Märkte erst möglich gemacht hat. Das zeigt ein Beispiel: Lange Zeit war es üblich, die Ausgabe von Bankkrediten auf das 12,5-fache des Eigenkapitals der Banken zu beschränken. Durch viele Ausnahmen haben Aufsicht, Notenbanken und Regierungen weltweit auf Druck der Finanzindustrie diese Grenze aufgeweicht. Mehr Kredite bedeuteten ein Aufblähen des Finanzsektors und die hektische Suche nach Anlagemöglichkeiten. Beides hat zum aktuellen Ausmaß der Krise geführt. Schlechte Regeln haben für Bedingungen gesorgt, in dem sich die Gier ungestört entfalten konnte.

Jetzt erleben wir weltweites Krisenmanagement mit Milliarden an staatlichen Geldern. Für uns Grüne gilt: Keine Staatshilfe ohne Gegenleistung mit der Sozialisierung von Verlusten und der Privatisierung von Gewinnen. Das heißt: Wenn Banken staatliche Hilfen in Anspruch nehmen, müssen sie und ihre AnteilseignerInnen den größtmöglichen Beitrag leisten. Deswegen sind wir auch für (Teil-) Verstaatlichungen. Denn wenn der Staat die Bank ganz oder teilweise übernimmt, erhält er mit dem späteren Verkaufserlös eine Gegenleistung für seine Rettungsmaßnahmen.
Ob Staatshilfen notwendig sind, muss im Einzelfall entschieden werden. Wichtigstes Entscheidungskriterium ist die Systemrelevanz eines Finanzinstituts - wie bei der Hypo Real Estate, als die Rettung unausweichlich war. Anders ist der Fall bei der VW Bank: Über den Schleichweg der Bankenrettung hat die Bundesregierung erneut der deutschen Automobilindustrie unter die Arme gegriffen und Unterstützung aus dem Bankenrettungsfonds gegeben, obwohl die VW Bank keineswegs systemrelevant ist.

Neue Regeln braucht die Finanzwirtschaft - international, auf EU-Ebene und national. Wir haben Grüne Antworten auf die Krise entwickelt und Ideen für eine Wirtschafts- und Finanzordnung entworfen: Für mehr Vertrauen brauchen wir mehr Verbraucherschutz auf Finanzmärkten, für mehr Stabilität und Verlässlichkeit eine funktionsfähige Finanzmarktaufsicht und die Orientierung der Märkte an Nachhaltigkeit.
National kann die Bundesregierung die Finanzmarktaufsicht besser organisieren, mehr Kompetenzen und Mittel zur Verfügung stellen und auch den Verbraucherschutz stärken. Momentan sind beispielsweise Managergehälter absetzbar und die Millionen-Gehälter und -Abfindungen werden steuerlich subventioniert. Das wollen wir ändern und fordern deswegen eine Deckelung der steuerlichen Absetzbarkeit. Ebenso national zu regeln ist die Zukunft der Landesbanken.

Die nationale Finanzmarktaufsicht muss unabhängiger und schlagkräftiger werden. Alle Bankgeschäfte müssen in die Aufsicht miteinbezogen werden, nichts darf sich mehr außerhalb der Bilanzen abspielen. Die Kompetenzen von Bundesbank und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) müssen eindeutig geklärt sein.

Grüne Politik steht für eine Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik, die sich an Stabilität, Verbraucherschutz und Ökologie orientiert. Nur stabile Märkte verdienen das Vertrauen der AnlegerInnen und sind verlässlicher Teil einer funktionierenden Marktwirtschaft. Anders als bisher sollen künftig alle Akteure auf den Finanzmärkten - die Banken und die Anlegerinnen und Anleger - wissen, was in den von ihnen gekauften Produkten drin ist. Sie sollen so die Verantwortung für ihr Investment wahrnehmen können. Stabilität erreichen wir durch eine bessere Regulierung mit präventivem Ansatz, die international vernetzt ist und alle Akteure, Staaten und Produkte umfasst. Verbraucherschutz und stabile Märkte sind zwei Seiten einer Medaille.

Mit einer Orientierung der Finanzmärkte an mehr Nachhaltigkeit rücken stärker als bisher soziale und ethische Aspekte der Anlageentscheidung in den Blick. Es muss transparent sein, wohin das Geld fließt und womit die Rendite erwirtschaftet wird. Informationspflichten für Vermögensverwalter und Unternehmen sollen den Anlegern ermöglichen, ihr Investment an sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien auszurichten. Die öffentliche Hand soll hier Vorbild sein: Öffentliche Gelder - etwa Rückstellungen der gesetzlichen Rentenversicherungen, Gelder der Bundesanstalt für Arbeit oder Pensionsfonds im öffentlichen Eigentum - sollen nur nach festgelegten Nachhaltigkeitskriterien angelegt werden dürfen. Solche Kriterien umfassen bspw. das Verbot, in Unternehmen zu investieren, die Kinderarbeit zulassen, Rüstungsgüter verkaufen oder Atomkraftwerke betreiben. Auch der öffentlich-rechtliche Bankensektor soll verpflichtet werden, solche Kriterien einzuhalten.

Auf europäischer Ebene soll sich die Bundesregierung für die Einführung einer Finanzumsatzsteuer einsetzen, um die Märkte zu stabilisieren und den Finanzsektor an der Finanzierung des Gemeinwohls zu beteiligen. Die Eigenkapitalvorschriften für die Banken wie auch für die Versicherungen sollen überarbeitet und verschärft werden, um Regulierungslücken zu schließen. Nationale Aufsichtsbehörden müssen sich besser koordinieren und zu einem europäischen System der Finanzaufsicht weiterentwickeln. Regeln zur Vergütung von Managern, Verbraucherschutz auf Finanzmärkten oder der Umgang mit pleitebedrohten Banken - all das kann die EU regeln. Ebenso kann sie dafür sorgen, Steuer- und Regulierungsoasen auf ihrem Gebiet zu schließen.
Auf internationaler Ebene müssen verbindliche Regeln für die Finanzmärkte festgelegt werden. Wir unterstützen den Grundsatz vom ersten G20-Gipfel im November 2008, nach dem kein Land, kein Finanzprodukt und kein Finanzmarktakteur unbeaufsichtigt sein darf. Wie dieser Leitsatz nun mit Leben gefüllt wird, wie sich die Interessen von sehr unterschiedlichen Ländern unter einen Hut bringen lassen und wie die neue US-Regierung auftritt, bleibt abzuwarten. Zentral sind für uns folgende Punkte:
  • Schließung von Regulierungsoasen, da dort die hochriskanten Geschäfte abgelaufen sind, die uns das Desaster eingebrockt haben.
  • Regulierung von Hedgefonds, Ratingagenturen und Private-Equity-Unternehmen als zentrale Akteure auf den internationalen Finanzmärkten.
  • Verbesserte internationale Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden. Grenzüberschreitend tätigen Banken muss eine entsprechende Aufsichtsstruktur gegenüberstehen.
Im Parlament und außerhalb des Deutschen Bundestages werden wir uns weiterhin für Stabilität, Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit im Bereich der Finanzmärkte einsetzen. Bei der Bankenrettung werden wir der Bundesregierung weiterhin auf die Finger schauen, auch wenn sie die Kontrollrechte des Bundestages - mit Hilfe der FDP - arg beschnitten hat.
Ich hoffe ich konnte Ihnen die Kernelemente der grünen Finanzmarktpolitik aufzeigen, mit denen wir Deutschland aus der Krise führen wollen.

Mit freundlichen Grüßen,
Anna Lührmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Gesundheit
08.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Lühmann

Mein Name ist , ich arbeite seit 1973 in der Pflege und leite z. Z. eine psychiatrische Klinik.
Es gibt derzeit kein Bewerbermangel für Pflegeberufe, aber es gibt leider ein Mangel an qualifizierten Bewerbern. Bisher ist die Vorrausetzung zum Erlernen eines Pflegeberufes (Krankenpflege oder Altenpflege gleichermaßen) in Deutschland ein mittlerer Bildungsabschluss. Deutschland ist damit Schlusslicht in der EU, da in fast allen EU - Mitgliedsstaaten die Ausbildung als Hochschulstudium oder zumindest parallel als Hochschulstudium und Ausbildung in Sekundarstufe II geregelt wird. Obwohl wir Schlusslicht in Europa sind, und die Koalition in Berlin eine Weiterentwicklung der Pflegeberufe im Koalitionsvertrag festlegt (auch die damit verbundene Qualität), will sie nun, allen voran Ulla Schmidt, aus Arbeitsmarktpolitischen Gründen den Zugang zur Pflegeausbildung für Hauptschulabsolventen absenken und das in aller Heimlichkeit. Die Ausbildung der Pflege jedoch ist heutzutage eine hoch komplexe Angelegenheit. Schon heute, so berichten viele Schulen haben Pflegeschüler mit mittlerem Bildungsabschluss oft Schwierigkeiten die Anforderungen der theoretischen Ausbildung zu bewältigen sowie geeignete Bewerber mit dem aktuell verlangten Schulabschluss zu finden. Sollte sich die Koalition in Berlin mit ihrem Vorhaben der Absenkung der Zugangsberechtigung durchsetzen bedeutet das, dass der Ausbildungsanspruch drastisch gesenkt werden muss womit automatisch die Qualität der Pflege gesenkt wird. Sie wird auch nicht auf dem heutigen Stand gehalten werden können.

Ich möchte Sie bitten, dem Änderungsantrag (BT-Drucksache 16 (14) 0527: Artikel 12a) zum Entwurf des Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften (BT-Drucksache 16/12256) nicht zuzustimmen. Für eine baldige Antwort Ihrer Sichtweise sowie Stimmverhaltens bezüglich des Änderungsantrages wäre ich Ihnen sehr verbunden.
MfG
Antwort von Anna Lührmann
2Empfehlungen
14.07.2009
Anna Lührmann
Sehr geehrter Herr ,

Vielen Dank für Ihre Anfrage bei abgeordnetenwatch.de zur Absenkung der Zugangsvoraussetzungen zur Altenpflege und Krankenpflegeausbildung. Wie Sie wissen, hat die große Koalition diese im Rahmen der Arzneimittelgesetz-Novelle am 18. Juni beschlossen. Die Änderung im Kranken- bzw. Altenpflegegesetz sieht vor, künftig über eine Modellklausel auch BewerberInnen mit Hauptschulabschluss den direkten Zugang zur dreijährigen Pflege-Ausbildung zu ermöglichen. Diese Regelung wird auf zunächst acht Jahre bis Ende 2017 befristet. Im Gesetz ist, wie bei Modellklauseln üblich, keinerlei wissenschaftliche Begleitung und Auswertung vorgesehen. Dies wäre aber zwingend notwendig, um feststellen zu können, ob sich die Neuregelung bewährt hat oder nicht.

Die große Koalition begründet die Änderung mit den in den kommenden Jahren zu erwartenden Folgen der demografischen Entwicklung und dem damit verbundenen Personalmangel im Pflegesektor. Auch wenn wir Grüne diese Problematik durchaus erkennen, halten wir - wie auch die überwiegende Mehrheit der Fach- und Verbändewelt- den Beschluss der großen Koalition nicht für sinnvoll und zielführend. Er fokussiert einseitig die quantitative Seite des Problems und lässt dabei die Frage nach der Qualität außer Acht. In den vergangenen Jahren haben sich die Berufsfelder von Gesundheits-, Kranken-, und Altenpflege zunehmend ausdifferenziert. Ausbildungsinhalte sind deutlich anspruchvoller geworden und verlangen ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz. Schon heute rangiert Deutschland im europäischen Vergleich auf den unteren Plätzen hinsichtlich des Zugangniveaus zur Pflegeausbildung. In den meisten europäischen Staaten ist diese bereits an akademische Zugangsvoraussetzungen gebunden. Daraus würden sich für deutsche Pflegefachkräfte auch innerhalb der EU Probleme ergeben, weil die Qualifikationsniveaus zwischen den Ländern nicht mehr vergleichbar sind.
Zudem klagen schon heute viele Ausbildungsstätten, dass es nicht an Bewerbern mangele, sondern häufig an einem ausreichenden Qualifikationsniveau. Sie verweisen auf die hohe Zahl von Schülern und Schülerinnen, die an den Anforderungen der Lehrinhalte scheitern und die Ausbildung vorzeitig abbrechen müssen.

Wir Grüne wollen, dass Hauptschülerinnen und -schüler eine echte(!) Chance erhalten, sich im Berufsfeld Pflege zu qualifizieren. Denn wir brauchen motivierte Menschen, die diese verantwortungsvolle Tätigkeit ausüben wollen. Wir glauben aber nicht, dass die Koalition mit ihrer Gesetzesänderung dafür den richtigen Weg einschlägt. Wir brauchen vielmehr eine längst überfällige und sehr grundlegende Reform der Pflegeausbildung. Auch darüber verliert die Koalition kein Wort. Eine solche Reform muss ein abgestuftes und durchlässiges Ausbildungssystem zum Ziel haben. Darin soll jedeR die Chance bekommen, ihre/seine Qualifikation ohne bürokratische Hürden schrittweise zu erweitern. So ist es BewerberInnen mit Hauptschulabschluss bereits heute möglich, nach einer Ausbildung in einem Pflegehilfe- oder Pflegeassistenzberuf in die nächst höhere Ausbildungsstufe zu wechseln. Zudem werden derzeit auch Modellprojekte zu neuen, zweijährigen Ausbildungen in der Pflege ausgewertet (Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart), deren bevorzugte Zielgruppe Hauptschüler waren bzw. sind. Solche Ansätze wollen wir weiterentwickeln. Auch weitergehende Abschlüsse bis hin zum Fachhochschul- oder Universitätsabschluss sollen möglich werden. Ein solcher Ansatz benachteiligt niemanden, der Interesse am Pflegeberuf hat - im Gegenteil. Er schafft, im Gegensatz zum Beschluss von Union und SPD, eine sinnvolle Balance zwischen dem Gewinnen neuer Bewerber/innen und der Beachtung der Qualität. Ganz wesentlich scheint für uns dabei, dass dadurch auch die Attraktivität des Berufsbildes insgesamt erhöht werden kann, da Aufstiegs- und Weiterentwicklungschancen für alle möglich sind.

Vor diesem Hintergrund hat meine Fraktion im federführenden Gesundheitsausschuss gegen den Änderungsantrag der Koalition gestimmt, der jedoch dennoch durch die Koalitionsmehrheit angenommen wurde. Im Plenum habe ich mich bei der Abstimmung zur Novelle des Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften gemeinsam mit meinen FraktionskollegInnen enthalten.
Ich bedanke mich für Ihr Interesse an meiner Position zur aktuellen Pflegepolitik und hoffe, dass ich Ihnen meinen Standpunkt näherbringen konnte. Weitere Informationen hierzu finden sie u.a. unter www.gruene-bundestag.de .

Mit freundlichen Grüßen,
Anna Lührmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Anna Lührmann
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.